Druckschrift 
1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
455
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Tausende gehen, bedienen sich gedankenlos der heiligen Sakramente;glauben damit Gott ihre ganze Schuldigkeit gcthan zu haben;glauben, das bloße Mitmachen der heiligen Gebräuche habewunderwirkende, sündenreinigende Kraft auf sie; gehen hinund sündigen von neuem. Ach, dieses religiöse Verderben,dies schreckliche Gegentheil von Allem, was JcsusChristus lehrte,ist weniger die Schuld der unwissenden Menge, als die Schuldderer, welche sic von der Unwissenheit und Gewalt des Irrthumsbefreien sollen, aber cs nicht thun, sondern sie vielmehr darin,wider des Herrn Sinn und Willen, bestärken.

Es ist ein falscher Gottesdienst, es ist eintodtes Opferwerk, wenn wir mit dem Leibefromme Uebungen beobachten, aber mit demGeiste fortfahren zu sündigen. Gott ist ein Geistdarum im Geist und in der Wahrheit (nicht bloß zumSchein) soll er verehrt werden. Es ist ein falscher Gottesdienst,zur Kirche zu rennen, ohne dort von heiligen Entschlüssen zueinem redlichen, menschenfreundlichen, gottgefälligen Wandelergriffen zu werden. Es ist ein falscher Gottesdienst, zumheiligen Abendmahl mit ungebcssertcm Herzen hinzutreten, mitungebesscrtem Herzen wieder in das gemeine Leben zurück-zukommen, und dennoch Vergebung der Sünden zu hoffen. Esist ein falscher Gottesdienst, als Taufzeuge bei Aufnahme einesKindes in der christlichen Kirche zu erscheinen, ohne sich fernerum die dabei Angegangenen hohen Verpflichtungen zu beküm-mern. Es ist ein falscher Gottesdienst, Hörer der Predigt unddes göttlichen Wortes zu sein, ohne auch Thäter desselben zuwerden. Es ist ein falscher Gottesdienst, alltäglich langeGebete, Morgens, Mittags, Abends, im Hause oder in derKirche herzumurmeln, ohne dabei etwas Frommes, dem Inhaltdes Gebetes Angemessenes, zu denken. Es ist ein falscherGottesdienst, erbauliche Schriften, oder gar die Bibel zu lesen,oder sich vorlefen zu lassen, ohne alle Aufmerksamkeit dabei,oder ohne den Vorsatz, so gut und rechtschaffen vor Gott zuwerden, als da gelehrt wird. Vor dieser Art Gottesverchrunghaben uns alle Jünger Jesu, hat der Weltheiland selbst auf