in dm umgerissenen Boden den Samen des höhern Guten.Zwar mein kurzsichtiger Blick erkennt noch nicht, welche segens-volle Früchte daraus unfern Kindern und Kindeskindern HerrVorgehen werden' aber mein eigener Lebenslauf, das Schicksalder Völker, die ganze Weltgeschichte predigt es mir: Es istnichts vergebens in der Welt.
Diese Kriege und diese Leiden geben dem einzelnen Menschenund ganzen Nationen ihre innere Seelenstärke wieder, die inwollüstiger Muße zu erschlaffen anfing. Im trägen Wohllebendes Friedens wähnte sich der größte Theil der Sterblichen nurzum Genuß irdischer Freuden geboren; er jagte nur diesen nach,und versäumte sein edleres Selbst. An die Stelle religiösenGeistes waren spitzfindige Tändeleien des Verstandes, albernerLeichtsinn, hoher Dünkel, schlaffe Mutlosigkeit getreten. —Statt großer, gemeinnütziger Handlungen für die Stadt unddas Vaterland, sah man nur das Getriebe ekelhaften Eigennutzesoder scheinheiligen Ehrgeiz. Statt der Begeisterung für Vater-land und Fürsten, hörte man die freche Sprache des Witzes, derkein Heiligthum ehrt. Die Tugend war ein Wort, daGaus denguten Gesellschaften -verbannt wurde; Ehrlichkeit hieß Dumm-heit ; Keuschheit eine thörichte Ziererei; Treue Mangel an Klug-heit; Frömmigkeit Bigotterie oder Heuchelei; Muth der Selbst-aufopferung für Andere phantastischer Stolz.
Dahin war es gekommen, daß die Menschen in ihrer sinn-lichen Versunkenheit alle edeln und frommen Empfindungen undHandlungen verspotteten oder in ihren Quellen verdächtig mach-ten. Mit dem Glauben an die Tugend war die Tugend selbstentflohen, und man erblickte nur geschmückte Laster. Der Ver-führer hieß Mann von Welt; Wollust galt für feine Sitte;Selbstsucht für Lebensklugheit; Religionsverachtung für Stärkedes Geistes; Verleumdung für Witz; Selbstmord für Heiden-muth; Ehrsucht für Seelengröße.
Dies waren, dies sind immer die Wirkungen langen Friedensund des Mißbrauchs unserer Ruhe. Die Verweichlichung zog dasVerderben der Denkart und Sitten nach sich. Darum mußtenganze Völker, ehemals stark und groß, fallen, und Fürsten