sind allezeit die größten Anstrengungen vonnöthen, um sich ausder Übeln Lage zu reißen. Wer in Gefahr ist, macht immerden stärksten Aufwand von Kräften, und opfert ohne Bedenkeneinen guten Theil von dem auf, was er hat, um nur dasMeiste zu retten.
In dieser Lage befinden auch wir uns in gegenwärtiger Zeit;das Volk opfert einen Theil des Eigenthums, um vermittelst des-selben die Wohlfahrt des gemeinen Wesens zu retten. „So seiddenn", sagt die heilige Schrift, „aus Noch untcrthan: nicht alleinum der Strafe willen, sondern auch um des Gewissens willen."(Rom. 13, 4.) Seid gehorsam, nicht bloß aus Furcht, sondernauch aus Ueberzeugung, daß cs zum Besten des ganzen Vater-landes nicht anders sein könne und dürfe. „Derhalben", sagtPaulus, der Bote Jesu, zu den Christen in Rom, „müsset ihrauch Schoß geben; denn die Obrigkeiten sind Gottes Diener,die solchen Schutz sollen handhaben. So gebet dann Jeder-mann, was ihr schuldig seid: Schoß, dem der Schoß gebühret;Zoll, dem der Zoll gebühret; Furcht, dem die Furcht gebühret;Ebre, dem die Ehre gebühret." (Röm. 13, 5 — 7.)
Abgaben sind wohl immer eine Last, doch am meisten fin-den, der nicht über ihren wohlthätigen Zweck nachdenkt; fürden, der eigennützig wohl an sich, nicht aber an Andere denkt;für den, der zuletzt wünschen möchte, das ganze Land solle fürihn sich aufopfern, ohne daß er für das Gemeinwohl dasGeringste beitrüge.
Wer hingegen über den Zweck der öffentlichen Lasten,Steuern und Abgaben richtige Begriffe hat, wird sich ihnenwillig unterziehen, auch wenn es ihn große Mühe kostet, sie zuerschwingen. Er weiß, daß für den Landesherrn und seine Hof-haltung ein anständiger Aufwand nöthig ist. Denn der Regentdes Landes ist gegen andere Fürsten und Völker unser Stell-vertreter. Er muß sich mit dem seiner Würde und der Ehre seinesVolks gebührenden Glanze umringen, um durch dieses äußerlicheKennzeichen seiner Macht und Landesstärke Achtung gegen sichund sein Volk einzuflößen. Und wenn er für sich selbst kein Lieb-haber des Gepränges wäre: so würde er es aus jenen Ursachen