darüber nachzudenken, ob es auch, so gethan, vollkommen rechtgethan sein mag. Man tröstet sich mit dem Unterschied, welchenman zwischen göttlichen und menschlichen Dingen macht, undweil es nicht unbekannt ist, daß menschliche Gesetze selten ganzvollkommen sind, scheint Mancher es sich erlauben zu dürfen,wo er es ungestraft kann, denselben auszuweichen, oder siezu umgehen. Man klagt über den Druck der Zeiten, überden Aufwand der Großen; man schmält gegen Fürsten undObrigkeiten, murrt bei Entrichtung der Zölle, Zinsen und Ab-gaben und Uebernahme anderer bürgerlichen Lasten. Das Alles,denkt Mancher, liegt im Gebiet des Menschlichen; es ist außeraller Verbindung mit meinen Verhältnissen zu Gott — es gehörtnicht zur christlichen Religion.
Wie denn? Ist es möglich, daß irgend eine Handlung desMenschen, die auf sein eigenes oder fremdes Wohl und WeheEinfluß haben kann, außer dem Gebiet des Religiösen liege?Ist es möglich, daß der Mensch Etwas wolle und denke, dasnicht von seiner Seele gewollt oder gedacht werde? Und liegtnicht jeder Wille, jeder Gedanke der Seele in irgend einer Ver-bindung mit dem Willen Gottes?
Wie Gott selbst alle Theile des Weltalls durchdringt undbelebt, so durchdringt und belebt die Religion den gesammtenWirkungskreis des Menschen. Wie die Sonne das erwärmendeLicht der Erde, ist Religion die Alles erweckende Sonne desGemüths.
Und so ist mein Thun und Lassen in der bürgerlichen Hand-thierung, oder was ich in Betreff der bürgerlichen Lasten denkeund thue, in dem Kreise meines religiösen Daseins eingeschloffen.Daher ist auch dies würdig, von mir, als Christ, bedacht zuwerden, auf daß ich hier nicht gegen meine eigene Würde fehle,und gegen die Gottheit sündige, welche mich auf Erden in solcheLage gesetzt hat.
Nun ist's allerdings wahr, daß wir in beschwerlichen Zeitenleben. Die Noch vielfältiger und anhaltender Kriege hat einegroße Verarmung der Länder bewirkt, viele Staaten zerrissenund im Innern zerrüttet, viele Hilfsquellen, die vor Zeiten