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1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
380
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sein, ob derjenige, mit welchem er umgeht, eine Religion habeoder keine. Er selbst hat keine Religion, und ist gegen denGlauben seiner Väter gleichgültig.

Dieser traurige, in unsern Tagen nicht seltene, und besondersleichtsinnigen Gemüthern oder unaufgeklärten Leuten eigenthüm-liche Fehler hat aber mit der christlichen Tugend der Religions-duldung durchaus nichts gemein. Es ist ein Jrrthum, zu fürchten,Gleichgültigkeit geg.«,i die Religion könne daraus entstehen, wennman auch fremde Glaubensgenossen mit brüderlicher Zärtlichkeitliebe. Wie, seit wann quillt die Sünde aus der Tugend?

Der Christ, indem er Religionsduldung mit aufrichtigemHerzen übt, liebt den fremden Religionsgenossen, sobald er rechtthut und Gott fürchtet. Er schätzt auch den frommen, tugend-haften Menschen einer andern Glaubenspartei. Er verachtetoder fürchtet und haßt ihn seines andern Glaubens willen nicht,weil Gott nur über Glauben und Gewissen richten kann, nichtder Mensch ; weil auch andere Religionen zu Gott führen, undnur als Wege zu betrachten sind, die von den unsrigen verschiedensind. (Matth. 7, 20. 21.)

Der Gleichgültige in Religionssachen übt zwar auch Duldunggegen fremde Glaubensgenossen,, aber nicht aus diesen frommenund schönen Uebcrzeugungen, wie der Christ, sondern aus Gering-schätzung der Religion überhaupt. Er verlacht in seinem Herzenden Christen wie den Juden, den Heiden wie den Türken in derAusübung ihrer Religion.

Der Christ, indem er dem Glauben seiner Väter getreubleibt, und für diesen Glauben freudig sein Leben aufopfernkönnte, ehret zu gleicher Zeit die Religion anderer Menschen,ohne solche andere Religion eben zu lieben, oder sie mit derseinigen vertauschen zu mögen. Er ehrt jene, weil auch er Ehr-furcht für seinen eigenen Glauben verlangt; er ehrt jene,weil sie für Andere eine beseligende Ueberzeugung ist, obgleichnicht für ihn; er ehrt jene, weil sie gleichsam nur eine andereSeelensprache des Menschen zu Gott ist, und weil jede Sprachezu Gott, jedes Band, welches den Sterblichen mit dem Ewigenverknüpft, ehrwürdig ist und bleibt; er ehrt jene, weil auch sie