mögen nur ungern den fremden Religionsgenoffen unter sichdulden; sie tadeln sogar solche Duldung. Sie glauben, esführe dieselbe zur völligen Religionsgleichgültigkeit, undcs sei Kälte und Verachtung gegen seinen eigenen Glauben,wenn man dem Bekenner einer andern Religion gleiche bürger-liche Rechte und Freiheiten im Lande gestattet, oder ehelicheVerbindungen unter Personen von verschiedenem kirchlichenGlauben zuläßt.
Aber täuschen wir uns hier nicht selbst? — Worin besteht denndie christliche Religionsduldung? Worin besteht Religions-gleichgültigkeit ?
Religionsduldung besteht in der allgemeinen Achtungund Werthschätzung solcher Menschen, die in ihrem kirchlichenGlauben, in ihren Religionsmeinungen von uns abweichen,aber dennoch im Leben und Umgang rechtschaffene, tugendhafteMenschen sein können, ja sogar von ihrer Religion dazu an-gehalten werden. — Diese Duldung beiveiset Gott täglich, indemer ohne Unterschied, ohne Ansehen der Person und des Glaubens,liebender Vater aller Menschen ist. Und wie Gott die Menschenvon allen Religionsparteien liebt, ihnen wohlthut, ihre Gebeteerhört, so sollst du auch sie Alle mit gleicher Liebe lieben. Werden Willen des Vaters im Himmel thut, der ist Gott angenehm. —Diese Duldung hat Jesus Christus während seines Lebensauf Erden bewiesen. Er schämte sich nicht, mit Heiden freundlichumzugehen, und Samariter zu ehren, ungeachtet diese von allenJuden verachtet und verhaßt waren, weil sie von ihnen abwichenin Glaubcnssachen und Religionsgebräuchen. — Diese Duldunghaben Jesu erste, unmittelbare Schüler, die Apostel, geübt,denn sie gingen in alle Welt, und wandelten unter Juden undHeiden, und lebren freundschaftlich mit allen Menschen von allerleiReligionen. Sie verfolgten Keinen wegen seines Glaubens,sondern betrachteten ihn nur als Irrenden, den man nur durchLiebe heilen und bekehren müsse.
Religionsgleichgültigkeit besteht hingegen in der Ge-ringschätzung und Kälte gegen alle Religionen überhaupt. Dem,der in Religionsangelegenheiten gleichgültig ist, mag es einerlei