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Entwöhne deinen Leib von allen entbehrlichenBedürfnissen! Lerne dich selbst verläugnen und unabhängigvon Außendingen machen: so ist dein Herz frei, so ist dein Geistohne Fesseln. Du gehörst dann erst dir selbst, und nur wer sichselbst gehört, kann über sich verfügen, kann sich dem Vaterlanoe,kann sich Gott weihen! — „ Ihr könnet nicht Gott dienen unddem Mammon!" spricht Jesus Messias. (Matth. 6, 34.)
Entwöhnung des Leibes von entbehrlichen Bedürfnissenmacht den Geist frei, und dies ist die Grundlage des wahrenChristenthums. Dahin deuten Jesus und die Apostel, wennsie uns zurufen: Ihr sollet nicht Knechte sein, sondern Freie;ihr sollet das Fleisch tödten, sammt den Lüsten und Begierden!
Wer für sich selbst wenig oder nichts bedarf, ist bei seinereinfachen Lebensart zu jeder andern Tugend fähig; er ist vonDen Launen der Menschen, von dem Wechsel der Schicksaleunabhängig; ist ein Gegenstand der Verehrung. Denn dieSterblichen schätzen, und mit Recht, nur denjenigen hoch, derDurch eigene Kraft dasteht; wer aber von ihnen abhängig ist,den verachten sie bald.
Wer für sich selbst wenig oder nichts bedarf, der kann fürAndere desto mehr sein und leisten. Er, mit Wenigem zufrieden,hat jederzeit Ueberfluß, Andern zu helfen. Was er sich versagt,ist sein Gewinn für die Menschheit, für das Vaterland.
Dies heißt Sitteneinfalt üben! — Nicht bloß dem Reichen,dem Bemittelten, sondern selbst dem Armen und Bedürf-tigen gilt dies Wort. Denn man suche doch nicht Einfalt derSitten bei den Armen, denen sie oft mehr als den Reichen fehlt.Sie können sich freilich nicht ist köstliche Gewänder hüllen, oderin Gaftmählern und Lustbarkeiten große Geldsummen vergeuden,die edler anzuwenden wären: aber Verschwender sind sie oftmitten in ihrer Armuth. Sie sind Sklaven ihrer sinnlichenLüste, wie die Reichen, und befriedigen ihre Begierden nur mitgeringern Mitteln. Für Trunk und Spiel, für Näscherei undGaumenkitzel, für Aufwand in Kleidern, in Gerätsen, fürLusbarkeilen niedriger Art verschwenden sie das Ersparte, unddarben Tage lang wieder am Nötigsten. Hicr ist keine Sitten-