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1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
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Verdienst; und Eigennutz mehr, als Vaterlandsliebe. So sehrward Alles verkehrt, daß selbst die Worte ihren Sinn änderten,und die Laster den Namen der Tugend, Tugenden die Be-nennungen der Fehler empfingen. Schamhaftigkeit hieß Ziererei,aber Frechheit liebenswürdig. Die Weisheit der Religion hießAberglauben des Pöbels, aber Spott des Allerheiligsten hießWeisheit. Aufopferrmg für das Gemeinwohl hieß Narrheit;hinterlistige Umtriebe der Selbstsucht wurden als Klugheit geehrt.Der Glaube an Tugcndsinn, an reines, uneigennütziges Wollenwar verschwunden; man war zufrieden, Andere für verderbterhalten zu können, als sich selbst.

Wie denn? täusche ich mich? Ist dies Gemälde von denSitten des Zeitalters, besonders von den Sitten derjenigenStände zu dunkel, welche durch höhere Ausbildung über dieuntern hervorzuragen meinen? O daß ich mich irrte!

Wohl gebrach es nie an einzelnen Edeln, die dem Strom desallgemeinen Verderbens rühmlich widerstanden. O, es sindHunderte, es sind Tausende, denen die Tugend noch ein ehr-würdiger Name, denen die Religion noch ein Heilgthum ist; nochTausende, denen ein reines Herz hoher gilt, als das Gute derWelt; aber sie Alle verschwinden zu einem Nichts in derUngeheuern Zahl des gemeinen Haufens der Verderbten.

Das Band aber, welches Völker zusammenknüpft, ist eingeistiges Band, wie dasjenige, welches die Glieder einer einzelnenFamilie verknüpft. Diese Bande bestehen aus Meinungen, ausEmpfindungen, aus Bedürfnissen. Wenn aber alle Bande derReligion, der Herzenstrcue, der Sittlichkeit zerrissen sind; wennsich die Menschen nur noch gegenseitig dulden, weil sie einandernothig haben; nur Gesetze befolgen, weil ein Schwert droht: wasist denn eine Familie, ein ganzes Volk? Es ist ein Leichnamohne Seele, der allgemach in sich selbst zerfällt. Er stürzt bei derersten Erschütterung von außen in Asche zusammen. Verdorben,wie die einzelnen Menschen im Volke, handeln dann auch dieVolker gegen Volker. Dann ist Ehrfurcht vor Verträgen ver-schwunden ; dann findet für Ehrfurcht vor fremdem Glück nurBegierde nach demselben statt; dann hofft man, ein guter Aus-