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1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
356
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seiner Habsucht, seiner Begierden, sich allerlei Anhang undZutrauen zu verschaffen. Er spottet darüber im Herzen, Opferzu bringen, die ihm nichts eintragen; er will das Beste desgemeinen Wesens nur befördern, sobald ihm unmittelbar auchein Vortheil daraus erwächst; er will seine Tugenden nur anZins legen, und für seine guten Werke mehr einnehmen, alser selbst ausgab.

Dies ist die Verschiedenheit des wahren und des Schein-Christenthums, des ächten Seelenadels und des pharisäischenWesens.

Wohl gehört oft Muth dazu, ein Christ zu sein; cs gehörtoft eine ungewöhnliche Entschlossenheit dazu, selbst der Welt dieganze Reinheit seiner Denkart ohne alle Zweideutigkeit zu zeigen.Und gerade dann ist dieser Muth selbst eine Tugend, diese Ent-schlossenheit eine Pflicht der Religion, die uns über die schiefenBeurtheilungen gewöhnlicher Menschen, über den seichten Spottarmseliger Witzlinge, über den Tadel der Klüglinge, welche Allesnur nach dem berechnen, was er einträgt, über die Verdächrtigungen boshafter Gemüther erhöht.

Es ist oft leicht, im Dunkeln, wo uns Niemand bemerkt,eine schöne Handlung zu verrichten; aber noch ist es zweifelhaft,ob wir derselben fähig gewesen wären im öffentlichen Leben,unter den Augen der Welt, wo wir mancherlei Vorurtheilenund Mißbilligungen entgegenzukämpfen hatten! Aber die Tugendsteht erst in halber Vollendung, wenn sie vor der ungünstigenZunge der Menschen zittert, statt, des Irdischen uneingedenk,nur auf Gott zu blicken.

Der Mensch, welcher sich scheuet, auch öffentlich so gut zusein und zu handeln, als er im Innern seines Herzens fühlt,gleicht einem, der im Verborgenen einen edeln aber unangesehenenFreund schätzt und liebt, dessen er sich aber in Gesellschaftenvielleicht seines Kleides oder Namens willen schämt.

Es ist des Weisen Pflicht, auch vor den Leuten das Gutefeierlich zu bekennen und zu üben, um eben so sehr durch unsereThaten selbst, als durch die Macht des Beispiels aufdie Welt zu wirken.