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1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
355
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sich nichts. Er thut nur, was er für recht und löblich hält,ohne sich daruni zu bekümmern, ob man ihn deswegen auchloben, oder ob man seine edle Handlung mit allerlei Deuteleienverdächtig machen werde. Wie er das Gute aus Liebe zumGuten und zur Gottheit thut, so geschieht es vom Pharisäeraus wohlüberlegter Klugheit, nicht um des Guten willen selbst,sondern irgend eines dabei zu gewinnenden Nebenvortheils wegen.

Der ächte Christ handelt nur dann öffentlich mit christlichemAdel, mit Seelengröße, so oft sich eine Gelegenheit entgegen-bietet, wo er kann, wo er soll. Der Pharisäer hingegensucht Gelegenheiten auf, um öffentlich zu glänzen, bereitet selbstAnlässe dazu vor, und handelt dann so, nicht wie er am weisestenund wohlthätigsten wirke, sondern am blendendsten für diegroße Menge, von der er beobachtet wird und beobachtet zusein wünscht.

Der ächte Schüler Jesu, wenn er öffentlich seinen Jesumin Wort und Werk und Thaten der Liebe und Gerechtigkeit zubekennen hat, thut dies mit redlichem Gemüth. Er weiß esnicht besser, er kann es nicht anders. Edel, wie sein Gedanke,wird auch seine That. Der Pharisäer aber will nicht sein, erwill nur scheinen. Bei ihm handelt nicht das reine Herz,sondern der schlaue Verstand. Er ist nicht tugendhaft, sondernnur weltklug.

Der Nachfolger des Welterlösers begeht, wie in bescheidenerStille und Dunkelheit, so auch öffentlich, das Gute ohne Gegen-forderung für sich. Er vertheidigt die Unschuld gegen die Hab-sucht des Ungerechten; er leistet dem Vaterlande Dienste, bringtihm aus seinem Vermögen rettende Opfer, wird verachteterWittwen und Waisen Schutz, hilft Unglücklichen, ohne sichdarum zu bekümmern, ob ihm sein Schaden belohnt oder auchnur ersetzt werde. Eine gute Handlung kann weder mit Gold,noch mit Ordens- und Ehrenzeichen, noch mit dem Lobe derZeitungen vergolten werden; sic kann so wenig belohnt werden,als Sterbliche Gott belohnen können. Denn das Gute ist Gött-liches. Der Pharisäer hingegen übt grite Werke; aber siesind nur Mittel und Werkzeuge seiner Eitelkeit, seines Stolzes,