einem Werkzeuge ihrer Lebensklugheit machen, und zu einerglänzenden Hülle ihrer unreinen Denkart.
Viele rechtschaffene Christen, die den Spott der Menschenscheuen, aber darum das Gute nicht minder lieben, stellen sichöffentlich der Mehrheit der Menschen gleich, und üben das Guteim Stillen. Sie fürchten, durch öffentliche Handlungen aus-gezeichneter Seelengüte sich in den Ruf der Heuchelei undpharisäischen Wesens zu bringen. Sie schämen sich gewisser-maßen ihrer Tugend vor den Leuten, und bringen ihr dieschönsten Opfer im Verborgenen.
Ja, es ist des Christen Pflicht, nicht mit den guten Gemüths-eigcnschaften zu prangen, welche er besitzt; es ist des ChristenPflicht, nicht jede seiner nützlichen und edeln Handlungen, nichtjedes seiner wohltätigen Werke vor den Menschen zur Schau
auszubieten, um Bewunderung, um Lob zu ärnten:-
aber es ist auch des Christen Pflicht, das Guteöffentlich zu lieben, öffentlich zu üben, wo es imGeheimen nicht geschehen kann, und wo die Kraftdes Beispiels auch auf andere gute Seelen macht-voll einwirken kann!
Also lasset euer Licht leuchten vor den Leuten, sprach JesusChristus zu seinen treuen Geliebten, daß sie eure guten Werkesehen und euer» Vater im Himmel preisen. (Matth. Z, 16.)
So ermahnt uns unser göttliche Lehrer selbst zu dem Muthe,jene niedrige Furcht und Scheu, jene falsche Scham vor demMißverstände der Welt abzulegen, und ganz wie wir sind, sogut, wahrhaft, wohlthätig, edelsinnig öffentlich zu erscheinen,wie wir es in der Verborgenheit wären. Die Welt soll unsereguten Werke sehen, auf daß sie auch durch ähnlichen Sinn undähnliche Werke Gott preise.
Es ist zwischen dem Guten, welches der wahre Christ öffentlichzu bekennen und zu thun Muth genug hat, und zwischen dem,welches aus pharisäischem Sinn geschieht, ein eben so großerUnterschied, wie zwischen der Tugend selbst und dem Laster.
Der ächte Christ thut, was er Gutes verrichtet, öffentlicheben so anspruchlos, als im Verborgenen. Er will damit für