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1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
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darein setzen, sich nichr auszeichnen zu wollen? Bin ich nichtauch von der Krankheit des Zeitalters angegriffen, die nurMittelmäßigkeit sucht und hat? Habe ich nicht manches Gute,das ich wohl hätte thun können und sollen, bloß deswegen unter-lassen, um nicht auffallend zu werden? Habe ich nicht manchesBöse, aber auch manches Gute und Nützliche unterlassen, ausScheu vor dam Urtheil der Leute? Bin ich nicht mehr derMenschen, als Gottes Diener bisher gewesen? Galten mir nichtdie kurzsichtigen Sterblichen, deren Urtheil ich selbst im Herzenoft als unvollkommen verachte, mehr, als der Ewige, dessenUrtheil und Beifall m-ir für heute und immerdar Alles ist?

Wohl sind viele, und gewiß auch gute Menschen schwachgenug, daß sie das Bessere nicht thun, um nicht Aufsehen zuerregen, um nicht von boshaften oder alltäglichen Menschenmißdeutet zu werden. Sie scheuen es nicht, sich dem großenHaufen in seinen Thorheiten gleich zu stellen; aber fürchten es,ihm durch eine seltene gute Handlung, die Keiner nachzuthunLust hat, auffallend oder lächerlich zu werden. Sie fürchten,man werde ihnen das, was aus des Herzens Fülle, aus desGeistes ganzer Ueberzeugung geschah, für Heuchelei, für Schein-Heiligkeit auslegen; man werde nicht die Reinheit der That er-kennen, sondern dahinter irgend eine versteckte Absicht, einenlistigen Plan suchen. Denn daß man eigennützig und klughandle, traut Einer dem Andern leicht zu, weil Jeder so thutoder thun möchte. Aber daß man ohne Eigennutz das Gute undLöbliche verrichte, bezweifelt fast Jeder, weil sich Wenige dazufähig fühlen.

Bei dem allem schätzt doch jeder das Lob gewöhnlich höher,was man dem Edclmuthe seines Herzens, als das, was man derEinsicht und Klugheit seines Verstandes zollt, während er in derStille lieber klug als tugendhaft zu leben bemüht ist> Dieserscheinbare Widerspruch aber löset sich in den: verächtlichen Grund-sätze der Menschen auf: daß ihnen am Urtheil der Menschenmehr, als an Gottes und ihrer eigenen innern Zufriedenheitgelegen ist, daß sie daher die Tugend und Seelengüte nur zu