Das Unglück macht sie wieder zu Brüdern; das Unglücklehrt sie, Vorurtheile zu verstoßen; das Unglück lehrt sie, daßAlle für Einen, Einer für Alle sorgen und arbeiten müsse; daßnicht Jeder für sich allein denken dürfe, ohne daß Alle verderben.So pflegen in der Nähe des Schiffbruchs, wenn das stürmischeMeer den Untergang droht, die entzweiten Gemüther sich zuvereinigen, und Alle für Alle zu arbeiten.
Die aus unserm Kreise fast ganz verschwunden geweseneschöne Tugend der Gemeinnützigkeit, diese Tugend, welche wirso oft und gern an den Bürgern unserer Vorwelt bewundern undpreisen, tritt wieder, zwar furchtbar und gerächt, doch segnendan der Hand des Unglücks in unsere Familien, Städte undLänder zurück. Nur sie wird das Zerstörte wieder aufbaüen, daSZerrissene wieder zusammenknüpfen, und den Geist Jesu Christiunter denen verbreiten, welche auf seinen Namen getauft sind.
Und was ist Gemeinnützigkeit?
„Welcher will groß werden unter euch," so spricht dergöttliche Lehrer Jesus, „der soll euer Diener sein. Undwelcher unter euch will der Vornehmste werden, der soll AllerKnecht sein. Denn auch des Menschen Sohn ist nicht gekommen,Daß er ihm dienen lasse, sondern daß er diene, und gebe seinLeben zur Bezahlung für Viele." (Mark. 10, 43 — 45.)
Gemeinnützigkeit ist also eine immerwährende, thätige Ge-neigtheit, für den Vortheil, für die Zufriedenheit, für denWohlstand, für die Ehre unsers Vaterlandes, unsers Wohnorts,unserer Familie Alles beizutragen, so weit unsere Kräfte reichen;ja, das Allgemeinbeste befördern zu helfen, selbst wenn es unsereigener persönlicher Schaden wäre.
Es leuchtet schon Jedem von selbst ein, daß, wenn an einemOrte alle Bürger von diesem Sinne Jesu beseelt, von demGeiste der Gemeinnützigkeit belebt wären, kein Einziger daselbstunglücklich sein könnte. Denn das Gute, welches er zum Vor-rheil Aller thut, fließt tausendfältig wieder auf ihn zurück, weilalle Andern auch nur auf sein Bestes bedacht sind. Da ist keineBürgerschaft, sondern eine herzliche Verbrüderung; da ist keinBeisammenwohnen verschiedener Familien, sondern Jeder ist einGlied und Theilnchmer einer einzigen großen Familie.