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Blut, wie wir? — O gewiß, sie waren nur schwache Sterb-liche, wie wir sind, und doch thaten sie des Großen und Gutenso viel.
LSind sie reicher als wir gewesen, daß sie so viele mildeStiftungen, Kranken- und Waisenhäuser, Lehr- und Armen-ansialten gründen konnten? — O nein, auch in unfern Zeitenleben der reichen und vermöglichen Bürger so viele, und docherleben wir von ihnen wenig rühmliche Stiftungen zum Bestender Gemeinden der Stadt und des Landes.
Sind sie weiser, gelehrter, einsichtvoller gewesen, als manin unfern Zeiten ist? — O nein, die Wissenschaften unserer Zeitkönnen ohne Furcht den Wettstreit mit den Wissenschaften derVor welt eingehen.
Oder hatten die Menschen der vergangenen Jahrhundertemehr Anlagen zur Tugend, zur Religiosität, als wir? — Nein,seit Anbeginn der Welt sind die Sterblichen alle mit gleichenAnlagen zur Tugend und Frömmigkeit geboren, wenn gleichnicht alle einerlei Höhe der Tugend erreichen mochten.
Aber eine Tugend gab es, in welcher die Vorwelt uns oftübertraf. Es war die Tugend bürgerlicher, vaterländischer,christlicher Gemeinnützigkeit. Es war die Tugend, durch welcheJeder mehr für das Beste seiner Familie, als für sich selbst sorgte,mehr für das Beste seiner Gemeinde, als seiner Familie lebte;mehr für das Beste des Vaterlandes, als seiner Gemeinde beküm-mert war! — Werfet euern Blick umher, und suchet, wie viel sindunter tausend Menschen immer derer, die von der Tugend begeistertsind, und von welchen man jene Worte sprechen könnte?
Woher stammt das Elend unserer Zeiten? Von wannenquillt der unendliche, Alles verderbende Strom des Jammersin unfern Tagen? Woher rührt das namenlose Unglück derVölker, das Verderben der Thronen, die Versunkenheit derReligion, die Lieblosigkeit der Menschen unter einander, diein gleicher Gemeinde beisammen wohnen? —- Ach, diese Quelledes allgemeinen Unheils, unter welchem die Welt seufzt, liegtim Innern des Menschenherzens; sie heißt Eigennutz undSelbstsucht.