Blößen ihrer bedauernswürdigen Aeltern schließen, aber ihnengehorchen, ihnen Ehrerbietung bezeugen, und sie kindlich lieben.Und dieses Verhältniß soll auch der Unterthan gegen die Obrig-keit, der Schüler gegen den Lehrer, das Gesinde gegen die Herr-schaft, der Arme gegen den Reichen, der Jüngere gegen denGreis beobachten.
Man hat wohl oft gegen die Ungleichheit der Stande noch inunfern Tagen die Stimme erhoben. Aber wer erhob sie? DerEhrgeiz derer, welche eine weit größere Ungleichheit einzuführentrachteten, indem sie Obere in die Tiefe zu stürzen und die Reichernin Armuth zu bringen suchten. Was war aber von all den fürchter-lichen Umwälzungen die Folge? Ungerechnet die Entweihung allerGerechtigkeit, die Zerstörung alles öffentlichen und häuslichenGlücks, das lange Blutvergießen und gegenseitige Verfolgen,
> kehrte dennoch endlich Alles wieder in die nothwendigen bürger-lichen Verhältnisse von Obrigkeiten zu Unterthanen, Herren zuDienern, Lehrern zu Schülern , zurück. Denn es ist Naturgebot;und ein reines Naturgesetz ist der Wille Gottes.
So haben sich in manchen Ländern mehrmals die Aermerngegen die Reichern empört, und eine Gemeinschaft der Güter,oder doch gleiches Recht, verlangt. Sie begehrten das Unmög-liche, und brachten sich nebst tausend Unschuldigen in namen-loses Elend. Denn gesetzt, daß man auch einmal versuchen wolle,den gesummten Reickthum eines Landes auf das Gewissenhaftesteunter alle Einwohner zu verthcilen, daß ein Jeglicher gleichvieldavon empfinge: was müßte in kurzer Zeit daraus erfolgen?Ungerechnet, daß nun Einer weniger Neigung hätte, dem Andernzu dienen, daß die Wohlhabenden ohne ihr Verschulden um dasgerechte Eigenthum gebracht, die Aermern ohne ihr Verdienstbereichert worden wären, würde diese Gleichheit des Besitzes sehrschnell wieder verloren gehen. Denn der Eine ist sparsamer, derAndere verschwenderischer; der Eine klüger, der Andere unwissen-der ; der Eine arbeitsamer, der Andere träger. Jeder wurde nachseiner Art eifrigst beitragen, die Ungleichheit der Güter wiederzurückzuführen; und bald ständen wieder Reiche neben Armen,Herren neben Dienern.