ist. — Es ist gar wohl möglich, daß manche obn'gkeirliche Personenihrer Stelle nicht ganz würdig sind, daß sie oft von ihren Unter-gebenen an Einsicht oder Fleiß, oder Unbestechlichkeit, odergemeinnützigem Eifer übertroffen werden. Aber Obrigkeitew.müssen sein. Und kannst du nicht den Menschen hochachten, derdasteht ohne Verdienst und Würdigkeit zu dein ihm anvertrautenBeruf: so bist du verpflichtet, seinen Beruf als Vorgesetzter zuehren; denn dieser Beruf ist das Göttliche! — Es kann sein, daßviele zu Lehrern und geistlichen Aemtern erwählte Personen nichtimmer diejenigen Eigenschaften besitzen, welche ihnen wohl zuwünschen wären. Es mag sein, daß Einige träge sind, Andere ihrAmt mit Unlust versehen, nur um des Broderwerbs willen; daßAndere ihre Stelle mißbrauchen, um sich allerlei Einfluß zu ver-schaffen , der ihnen nicht zusteht; daß Andere auf den Lehrstühlengegen Sünden eifern, denen sie im Stillen selbst ergeben sinddaß Andere zu geringe Kenntniß besitzen, um ihren wichtigenWirkungskreis wohlthätig auszufüllen; daß Andere zu den traurigen Halbwissern gehören, die selbst nicht glauben, was siepredigen, oder wohl gar unter Vertrauten über Amtsgeschäftesich lustig machen, die sie verrichten müssen. Aber diese Menschensind nur das Menschliche bei der Sache; ihr Lehramt ist dasGöttliche! Dies Lehramt sollst du ehrenwerth halten, und nichtin den jetzt häufigen Ton des witzigen Pöbels einstimmen, devdie Würde des geistlichen Amtes lächerlich zu machen sticht, umeiniger Nebendinge willen, die nicht zum Amt überhaupt, sondernzum einzelnen Menschen gehören, welcher sich vielleicht einer oderder andern Schwäche schuldig inacht.
Auch in der Familie finden sich ja nicht alle Mitglieder vomFehlern rein. Es gibt ja nachlässige Aeltern, die sich durchTrunkenheit, Zanksucht, Zwietracht, Ungerechtigkeit, schlechteOrdnung oder unsittsame Aufführung die stille Mißbilligungihrer Kinder zuziehen.
Dennoch aber sind die Aeltern immer Aeltern, die Kinder-immer Kinder. Welches menschliche Herz würde sich nicht empören ,wenn Jemand guthieße, daß Kinder ihre eigenen Aeltern ver-spotteten und lächerlich machten? Sie sollen ihre Augen rwr den