zu erwecken. Wir erbittern gegenseitig unsere Gemüther durchparteiische Behauptungen, oder suchen uns gegenseitig durchkünstliche Deutungen der Schicksale zu peinigen. Wem ist esnicht bekannt, daß schon die besten Freunde durch hartnäckigeBehauptungen ihrer verschiedenen Ansichten gegen einander laugeworden sind und sich sogar trennten? — Wie? darf der Christsolche Wirkung der gesellschaftlichen Gespräche mit Gleichgültigkeitbetrachten? Wird es nicht seine Pflicht, da auf seiner Hut zusein, wo er den Frieden der Seele, die Eintracht der Familien,die Liebe des Freundes zu verscherzen Gefahr läuft?
Nur allzuoft pflegen unbehutsame Aeußerungen in ähnlichenUnterhaltungen der erste Grund böser, schreckender Gerüchte zusein, welche ein ganzes Land vergeblich ängstigen, und derenUrsprung Niemand errathen kann! — Wer kennt nicht die trau-rigen Folgen, die ein falsches Gerücht oft verursachte? Wemist cs unbekannt, daß ein solches oft ein mächtig wirkendes Hilfs-mittel schlechtdenkender Menschen ward, Aufruhr und Verfol-gung zu stiften?
Ein unvorsichtiges Wort, ein bloßes Mißverständniß er-schüttert in bangen Zeiten die Ruhe von Millionen Herzen. Diefinstere Sorge springt von Zunge zu Zunge. Jever empfängt siemit klopfendem Herzen, und trägt sie weiter mit geschäftigerEile. Niemand wagt cs, dies Gespenst anzutasten, das jede.Einbildungskraft vergrößert und mit neuen Umgebungen ver-bindet. Wohin es kommt, läßt es Mißmuth, Schrecken und ver-worrene Wünsche zurück. Bald beherrscht es die große Menge;die Unruhe Einzelner wird zur Gährung aller Gemüther. DerEhrgeiz, das schadenfrohe Mißvergnügen treten frecher hervor;der geblendete Haufe folgt ihren schändlichen Fahnen, und opfertseinem Wahn jedes Heiligthum auf. Blut fließt, Flammenlodern aus unschuldigen Hütten. Das allgemeine Elend erstbringt zur Prüfung der begangenen Schritte, die Nüchternheitder Erschlaffung zur Erkenn tniß des Selbstbetrugs, die Erkennt-nis' zur schamvollen Bereuung zurück. — Das Unglück aber istgestiftet, und die Belehrung des Bessern und Wahren erscheint zuspät. Die gespenstigen Gerüchte haben sich, wie ein täuschendes