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1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
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der Sitten und auf die Verfeinerung der Laster; sie zeigen auf dieleeren Kirchen und auf die selten leeren Tempel der Schlemmereiund niederer Wollust; sie zeigen auf die Versäumung ehrwürdigerUebungen, auf die Vernachlässigung selbst des Anständigen; wieman die schändlichsten der Sünden heutzutage mit dem Namender Tugenden schmückt, wie man Heuchelei Lebensart, WollustArtigkeit, Betrug Lcbensklugheit, Ehebruch Schwachheit, Ir-religiosität Aufklärung, Verachtung des Eides Vorurteilslosigkeitnennt.

Wahr ist's, auch diese Klage ist gegründet. Aber eben so wahrbleibt es, daß man, ohne ungerecht zu werden, sie nicht aufalle Sterbliche amvenden könne. Noch Tausende und Tausendesind, die ihren Gott verehren, noch Tausende und Tausende,die Christum Jesum nicht bloß mit den Lippen, sondern auchmit dem Herzen bekennen, und durch sein Wort ihr ewiges Heilerwarten; noch Tausende und Tausende, welche das Laster hassen,und nach Vollkommenheit ringen. Noch ist das Reich Gottesauf Erden nicht zerstört; noch ist das Wort Gottes mächtig überdie Gemüther der Hohen und Niedern; noch sind die TriumpheJesu Chr.'sti nicht vernichtet, und seine Offenbarungen, vonJahrtausenden auf Jahrtausende vererbt, werden ewig bleiben!

Wahr ist's, die Neigung zur Sünde ist überall, ist laut;das Tichten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf.(1. Mos. 8, 21.) Aber so war es seit Anbeginn der Welt. SchonDavid klagte: Herr, der Heiligen werden immer weniger! SeitAnbeginn lag die Hölle mit dein Himmel, das Böse mit demGuten, der Reiz der sinnlichen Neigungen mit dem Bewußtseindes Bessern im Kampfe. Unser Zeitalter hnt seine eigenthüm-lichen Lastern Aber jedes Zeitalter hatte vor uns ebenfalls dieseinigen. Wie zürnten die Propheten, wie zürnten Jesus unddie Apostel den Sünden ihrer Zeit! Und so ward bis zu unsernTagen von allen Edeln der Menschheit muthig gegen das ein-reißende Sittenverderbniß geeifert.

Lasset uns daher nicht mit unbilliger Vorliebe die altenZeiten preisen, und die gegenwärtigen als ungleich verderbterverdammen. Mit den Jahren verwandeln sich die Gesinnungen