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1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
319
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wir. Aber wir kennen nur unsere Leiden genau; wir fühlcwnur unsere Entbehrungen und Lasten lehhast, während dasUebel, unter welchem oft unsere Vorfahren seufzten, nur wie^ ein Schattenbild vor uns schwebt. Verschlechtern wir daher nichtden Werth unserer Zeiten übermäßig, preisen wir nicht dieZeiten oer Vorwelt so grenzenlos glücklich. Die Geschichte ver-gangener Jahrhunderte lehrt uns, sie waren in vielen Stückennoch unglückseliger als wir.

Wahr ist's, viele der gegenwärtigen Uebel sind drückend:aber wo ist ein Uebel auf Erden, dessen Dauer ewig gewesenwäre? Keins von allen. Auch diese Uebel werden früher oderspäter verschwinden, auch ihnen wird Segen folgen. Dies.Ungemach wird und kann nicht ewig bestehen.

Und wenn.die Noch, über welche wir heute klagen, vor-über ist, werden wir, werden unsere Nachkommen dann glück-licher sein, als wir? Ach, täuschen wir uns doch nicht selbst!Sie werden mitten im Schoost des Friedens Leiden anderer Artzu bekämpfen, und immer wieder andere Ursachen zu erneuertenKlagen haben. Niemand ist zu allen Zeiten glücklich. Jeder Tag,wie Christus spricht, hat seine eigene Plage. (Match. 6, 34.)Es ist nicht die Welt, nicht die Zeit, welche den Menschen elendmacht: es ist der Mensch, der seine Welt, seine Zeit mit Elendanfüllt. Der Christ, der Gerechte und Weise kann auch in denschwersten Stürmen unüberwindliche Heiterkeit behaupten. Zu-frieden mit Gott und den Schicksalen, welche die weise Vorsehungüber ihn verhängt, sucht er jedem Tag irgend eine Freude ab-zugcwinnen, und das allgemeine Leiden durch sein wohlthätigesBemühen zu lindern, soweit seine Kraft reicht.

Gegründeter scheinen aber die Klagen Anderer über die Ver-schlimmerung der Welt, indem sie über das steigende Verderb-niß der Sitten klagen, und über den wachsenden Strom allerLaster. Sie zeigen auf den Leichtsinn der Jugend, welcher derEhrbarkeit spottet, und nützliche Anstrengung scheut; sie zeigenauf den Aufwand und das Wohlleben zahlloser Familien, welche,ohne an die Zukunft, ohne an die Versorgung ihrer Kinder zudenken, sich der Ueppigkcit ergeben; sie zeigen aufdie Verfeinerung