318
Wahr ist's, viele Familien haben ihren Wohlstand verloren;aber wir selbst sind auch Augenzeugen, daß viele andere Familiensich cmporgeschwungen haben. Wahr ist's, vielerlei sonst starkbetriebene Gewerbe sind in großen Verfall gerathen; aber wirkönnen auch nicht laugnen, daß andere Gewerbe, durch Orts-und Zeitumstände begünstigt, blühender sind, als in vorigenZeiten. Dieser Wechsel des Vermögens, dieses Steigen undFallen war von jeher, und wird unaufhörlich fortdauern. Dieda verloren haben, sei es mit oder ohne ihre Schuld, weinen;aber Andere, die gewonnen haben, freuen sich.
Wahr ist's, die Kriege der Völker und Fürsten haben eineVertheuerung vieler uns zum Bedürfnisse gewordenen Dingeverursacht. Aber gestehen wir es auch, daß Gottes Segen unsim Allgemeinen nicht verlassen habe; gestehen wir cs auch, daßwir diejenigen Sachen, welche zur Lebensnothdurft und Nahrungunentbehrlich sind, noch immer erhalten und besitzen; daß nurder Verzärtelte zu klagen Ursache habe, welcher sich das Ent-behrliche zur Unentbehrlichkeit machte, und sein ganzes Glückin einem Aufwand, in diesem oder jenem sinnlichen Genüssesuchte, der ihm gegenwärtig erschwert ist. — Noch haben, Danksei es der himmlischen Vorsorge des Allvaters, Dank sei esder Wohlthätigkeit edler Menschenfreunde, auch die Aermstenunter uns das Obdach, welches sie beherbergt; das Kleid,welches sie bedeckt; das Brod, welches sie vor dem Hunger-tode schützt.
Wahr ist's, die Kriege unserer Zeiten haben vielen alten Wohl-stand zerstört, manche wohlhcrgebrachte Rechte vernichtet. Aberdiese Uebel betrafen nur einzelne Länder, einzelne Städte, ein-zelne Häuser. Zu allen Zeiten wurden Kriege geführt zwischenden Völkern, und weit unmenschlicher noch, weit grausamerehemals, als jetzt. Es ist an sich eine Unmöglichkeit, daß dieMenschen bei der Unruhe ihrer Leidenschaften und Begierdeneines ewigen Friedens genießen können. Der Friede selbst mitseinen Wollüsten, Ueppigkeitcn, mit seinem Stolze und seinerErschlaffung, erzeugt wieder den Krieg. So sind unsere Zeitenden vorigen ähnlich. Auch unsere Väter hatten zu dulden, wie