Druckschrift 
1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
312
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den aufmerksamen Blick des Gesindes wahrnehmen läßt, tilgendie Ehrfurcht aus, während cs keine Kindesliebe empfindet.Wer stellt seine Fehler gern der Welt zur Schau aus? Es istimmer schlimm, die Verschwiegenheit eines Menschen durchFreundschaft und Nachgiebigkeit erkaufen zu müssen. Dentheuersten Preis zahlt aber die Herrschaft dem Gesinde, wennsie dessen Rache oder Geschwätzigkeit befürchten muß. Oft bleibtdem, welcher den Dienstboten zum Mitwisser seiner Fehler macht,keine andere Wahl übrig, alS Abhängigkeit von den Launen desMiethlings, oder Offenbarung seiner Schande.

Willst du Nachsicht gegen deine allfälligen Schwächenerwecken, die du nie ganz verbergen, oder nicht so schnell über-winden kannst, soübe sch onendeNach sicht auch gegenUebercilung und unvorsetzliche Fehler deines Ge-sindes. Mußt du aber zur Erhaltung der Ordnung strafen,so geschehe cs mit wahrhaft väterlichem und mütterlichem Geiste,ohne Heftigkeit, ohne Grobheit, ohne Gepolter. Ein solcheskann wohl beleidigen, aber nicht bessern. Du willst dich janicht durch das Strafen rächen, sondern den Fehlenden vonkünftigen Verirrungen ähnlicher Art zurückführen. Du berech-tigst durch Grobheiten deinen Diener zur Erwiederung vonGrobheiten; denn weil du dich solches Tones gegen ihn nichtschämest, hält er leicht dafür, du seiest keiner edlcrn Sprachedes Unwillens gewöhnt. Ueberhaupt haben wir schon gefehlt,sobald wir gegen Untergebene wirklichen Aergcr und Verdrußblicken lassen. Denn dadurch erheben wir sie höher, als sic seinsollen, weil inan nur gegen Seinesgleichen zu zürnen pflegt.Ein vernünftiger Vater kann keinen wahren Zorn gegen einschwaches, unwissendes Kind fühlen, wenn cs sich vergeht.Sind Dienstboten noch dazu ohne ein zarteres Gefühl, ohnewirkliche Neigungen für uns, so wird ihnen unser Aergersogar Vergnügen machen können, indem nicht sie, sondernwir selbst, den größten Nachtheil haben. Je besonnener undkaltblütiger wir ihnen ihre Fehler Nachweisen, und sie davonabmahnen, je mehr fühlen sie unsere Hoheit und Ueberlegenheit;sie können nicht mit Zorn, sondern nur mit Hochachtung Mt«