Es gehört zu dieser väterlichen oder mütterlichen Behand-lung dkr Untergebenen keineswegs, daß inan ihnen sogleich einunbedingtes Zutrauen schenke: sie müssen es erst erwerbenlernen; noch weniger, daß man sich gegen sie Vertraulichkeitenerlaube, oder ihnen solche gegen ihre Gebieter gestatte; dennsie würden leicht davon Mißbrauch machen, und sich mit denen,welchen ste dienen sollen, auf gleichen Fuß stellen. Leider istdies ein Hauptfehler unkluger Herrschaften, daß sie selten denrechten Ton anzunehinen und die würdige Mittelstraße zu haltenwissen; einmal zu vertraulich und einlässig mit dem Gesindesind, ein andermal, um ihr Ansehen zu behaupten, wieder zuherrisch und auffahrend werden; einmal allzunachgiebig, unddas anderemal, oft um Nichtswürdigkeiten, zu streng und pol-ternd find; weniger es in Beurtheilung geschehener Arbeitenauf die eigentliche Wichtigkeit von diesen, als auf ihre eigenegute oder üble Laune ankommen lassen. Der, welcher euchseine Dienste vermiethet, hat sich nicht euern fröhlichen undfinstern Grillen verkauft. Niemand iss unerträglicher, als einkleiner Tyrann, der für sein Geld, welches er gibt, sich Alleserlauben möchte.
Machet euch mit denen, die in euerm Diensteleben, nie gemein und vertraut, sonst werden sie eureHerren. Aber hingegen ihr Vertrauen suchet zu erwerben, umihnen Rathgeber und im Nothfall Beschützer zu sein. Dies isteurer Stellung angemessen, als Pflegeältern der Untergebenen,deren Glück ihr unter eure Obhut nehmet. Die Beweise derZuversicht, welche sie euch geben, sind Beweise der Hochachtungund dankbaren Zuneigung, die ihr ihnen einflößtet. Hingegensind allzugroße Offenherzigkeiten von eurer Seite gegen sie Be-weise großer Schwäche, in der ihr bekennet, daß ihr von denengeleitet und berathen sein möchtet, die ihr eigentlich leiten undberathen solltet.
Jede Schwäche, welche Väter und Mütter ihren Kindernzeigen, verringert nothwendig die Ehrfurcht derselben; dochkann die angestammte Liebe der Kinder daneben noch immerbestehen. Schwächen aber und Blößen, welche eine Herrschaft