man zwar erklärt, welche Dienste man fordert, und was mandagegen zu zahlen gedenkt; daß man aber gar nicht in Erwägungzieht, wie diese Personen in noch ganz andere Berührungen mituns kommen oder mit den Unsrigcn; in Berührungen, die garnicht zu den Geschäften gehören, für die sie besoldet werden; —daß man ihnen nicht gleich anfangs deutlich und fest erklärt, wieman wünscht, daß sie gegen Herrschaft, Kinder und übrigeHausgenossen sein sollen, und wie man dagegen in Rück-sicht ihrer sein wolle. — Eine solche gegenseitige Erklärungsetzt das ganze künftige Verhältniß fest; läßt die in unser Hausgenommene Person ihre künftige Lage übersehen und wahrnehmen,ob sie zu derselben tauge, und gibt auch der Herrschaft jenewürdige Stellung, ohne welche auf die Dauer keine Ordnungstatt finden kann.
Dies ist aber die würdigste Stellung der Herrschaft gegendienende Hausgenossen, daß sie dieselben vom ersten Augenblickan nicht als willenlose Unterthänige, oder als verkaufte Fremd-linge gebieterisch behandle, — denn welche ihr als beständigeFremde ansehet, sehen euch auch nur wie Fremde an, liebeneuch nie! — daß sie dieselben nicht wie arme Miethlinge vonoben herab behandle, oder ihnen Mißtrauen zeige, — euerStolz empört ihren Trotz, euer Mißtrauen tödtet ihr Vertrauenzu euch! — sondern daß sie dieselben wie Pflegekinder'betrachte, welche sie zu sich aufnimmt, und deren Glück siemachen möchte. Es soll der Hausvater und die Hausmutter alsogegen die dienende Person wie ein Vater, wie eine Mutter auf-treten, väterlich mild, väterlich nachsichtig, aber auch väterlichernst, ohne Schwächen zu zeigen, die verächtlich oder verhaßtmachen. Die gleiche Sanstmuth, mit welcher Aeltern die Achtungund Anhänglichkeit der Kinder gewinnen, erwirbt Herrschaftendie Ehrfurcht und treue Anhänglichkeit der Dienstboten. Zeigetihnen, daß es euch angelegen sei, sie bei euch froh und zufriedenzu wissen; erfüllet ihnen zuweilen gern billige Bitten, kommetihneö zuweilen sogar in einem ihrer Wünsche zuvor, gewähretihnen die Aussicht, daß sie bei euch, so lange sie wollen, dasgleiche Glück genießen können: und ihr habt ihre Treue gefesselt.