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1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
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300
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Beruf glänzend oder nicht. O mein Christ, warum erhöht odererniedrigt denn bloße Berufsart in deinen Augen schon den Men-schen? Nicht sein Beruf, nicht sein Amt ehrt den Menschen, oderentehrt ihn; sondern er macht seinen Beruf ehren - oder schandvoll.

Diese gegenseitige Verachtung und Nebenbuhlerei der Stände,diese von Geschlechtern oft zu Geschlechtern forterbenden Vor-urtheile, haben ihre ersten Quellen in der Selbstsucht ein-zelner Personen, welche, weil sie lebhaft fühlen, daß sie ohneeigenen Werth, ohne innere Würde sind, sich solche durch Außen-dinge , durch allerlei Umgebungen, durch den Stand, durch dieBerufsart verschaffen wollen, worin -sie stehen. Sie wollen ihrenStand erhöhen, um sich selbst preisest zu können; sie wollenAndere geringschätzig machen, um eigene Vorzüge ansehnlicherwerden zu lassen.

In den Augen des unbefangenen Weisen, des wahrenChristen, gewinnen diese Selbstsüchtigen nichts. Dem Nach-folger Jesu ist Jeder ehrcnwerth, welcher seinen Beruf ehrwürdigzu machen weiß. Jesus, der Gottmensch, wählte seine Freunde,feine Vertrauten und Jünger, ohne Ansehen des Ranges, oftaus den untersten Ständen des Volks. Er wählte den armenFischer zu seinem Vertrauten, er, zu dessen Füßen heute dieKönige des Erdballs anbetend liegen.

Jeder Stolz ist ein Wahnsinn, eine Krankheit der Seele,durch welche sie unfähig wird, Schein und Wesen, Jrrthum undWahrheit zu unterscheiden. Der Stolze fordert Ehrerbietung, ohnezu bedenken, daß solche Empfindung bei Andern nicht durch äußeresPrunken erweckt, nicht durch den Zufall erzeugt, nicht durch Ge-walt ertrotzt werde. Er legt dem, was ihm zugehört, einen über-triebenen Werth bei, und schmeichelt und verehrt sich selbst in seinenEinbildungen, ohne zu bemerken, daß er Andern damit Anlaß zumSpott und zur Geringschätzung gibt. Er ist wie ein Bezauberter,welcher an sich auch das kleinste Gute größer sieht, als es ist, undan allen Andern das größte Gute unendlich kleiner, als es ist.

Eine andere Quelle der gegenseitigen Verachtung und Gering-schätzung der Stände und Berufsarten ist der übliche Jnnungs-geist, das Heist, jenes löbliche Ehrgefühl, mit welchem jeder