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1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
299
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Stand, der dem Vaterlande Dienste leistet, der nicht ehrenvollwäre. Eben diese Mannigfaltigkeit der Verrichtungen, Geschäfte,Lebensarten und Stände macht es, daß Jedermann seine Kräfteauf die wohltätigste Weise für andere Menschen anwenden kann.Eben dadurch werden wir in diesem Leben Alle einander noch-wendia und verbunden. Eben dadurch können wir den Sinndes göttlichen Wortes erfüllen, daß Einer dem Andern diene,Jeglicher mit der Gabe, die er vom Herrn empfan-gen hat. Nehmet auch nur den niedrigsten der Stände, diegeringste aller Berufsarten aus dem bürgerlichen Leben hinweg,und wir werden die grosse Lücke fühlen; wir werden einenMangel leiden, der sich in allen Ständen empfindlich ma.benwird. Wir müssen froh sein, daß sich Menschen finden, dieseoder jene Beschäftigung zu treiben, welche für uns selbst zu be-schwerlich sein würde; wir müssen ihnen danken, daß sie es über-nehmen, und unser Dankgefühl äußert sich in der Achtung fürihre vielleicht nicht glänzende, aber doch nothwendige Berufsart.

Demungeachtet ist es einer der gemeinsten Fehler, daß so gern«in Stand verächtlich auf den andern herabblickt; daß jeder sichüber den andern erheben will, und seinen W-erth oft in Vorzügengeltend machen möchte, die an sich selbst gar keine Vorzüge zuheißen verdienen.

Wie verächtlich sieht oft der stolze Handwerksmann auf denharten Beruf des Landmanns nieder; wie verächtlich wieder derKünstler auf den Handwerker; der Kaufmann auf beide; derGelehrte auf den Kaufmann; der Soldat auf den Geschäfts-mann ; der Beamte auf den Krieger; der Edelmann auf den ge-meinen Bürger; der höhere Adel auf den niedern; der Fürst aufden Adel der Unterthanen! Wie gewöhnlich ist dieser Fehlerunter Christen, welche als wahre Weise nicht nach dem Scheine,sondern nach dem wirklichen Werthe, alle Verhältnisse schätzensollten! Wie häufig sehen wir nicht solche Christen, deren Herz vollNeides ist gegen die Höhern, und voll Stolzes gegen die Niedern!

Vor Gott gilt nicht das Ansehen der Personen. O mein Christ,«nv warum gilt es vor dir? Vor Gott ist Jedermann angenehm,welcher in seinem Berufe gerecht und vollkommen ist, sei dieser