nieder» Stände nichts wissen. Es ist ihnen gar nicht unbekannt,daß der größte Theil der Ehrenbezeugungen, die ste empfangen,bloß kaltes, erkünsteltes Wesen ist. Die Vergnügungen, welchenste oft beizuwohnen gezwungen sind, bleiben meistens nur lästigeHöflichkeiten und neue Quellen mancherlei Verdrusses. Der ärmsteMann scheint freier zu sein, als sie sind. — So klagen beinaheAlle; uyd gewöhnlich suchen die Unzufriedenen ihren ganzen Trostnoch darin, daß ste öffentlich ihren ganzen Prunk zeigen, denihnen ihr Stand und Vermögen erlaubt — und daß sie nebensich die Andern verachten, deren Glück sie doch heimlich beneiden.
Wer mit seinem Stande, in den ihn Gott berufen hat,nicht zufrieden ist, der würde auch in jedem andern Stande un-glücklich sein. Denn nicht die Art der Geschäfte, welche mantreibt; nicht das große oder kleine Vermögen, was man besitzt;nicht der Palast oder die Bauernhütte, welche man bewohnt;nicht die Würde, welche man vor den Leuten trägt, ist die Quelleunsers Glückes : sondern das Herz allein ist cs, welches man zumStande, zum Vermögen, zum Palast, oder zur Hütte bringt.
Es ist sehr gewöhnlich, daß man besonders den Stand desLandmanns preiset, weil die, welche in den Städten wohnen,das Landleben größtentheils aus Büchern oder Spaziergängenkennen. Das Feld zu bauen scheint ihnen, wenn auch mühsam,Dennoch eine Lust. Wer geht nicht gern, wenn er ein Garten-plätzchen hat, um zu graben, zu säen, zu pflanzen, oderUnkraut auszujäten? Keine Arbeit ist der menschlichen Naturzuträglicher, als diese; wo hingegen die Geschäfte des Gelehrten,Kaufmanns oder Beamten am Schreibtisch, die Anstrengungendes Nachdenkens, die Nachtwachen, oder die einförmigen Ge-schäfte der Handwerker und Künstler in ihren Werkstätten undFabriken zuweilen nur zu verderblichen Einfluß auf die Gesund-heit haben mögen. Hat der Landmann sein Tagwerk vollbracht,ruht er freudig aus, und erwartet vom Himmel den Segen.Sein Körper härtet stch in allen Witterungen ab; die An-strengungen seiner Kräfte stärken seine Glieder; das im Schweißedes Angesichts erworbene Brod schmeckt ihm süßer, als demReichen der unter Verdruß und Sorgen genossene Leckerbissen