Pflanze also in früher» Zeiten, pflanze gegenwärtig diejungen Bäume, von welchen du wünschest, daß sie dich mspätem Zeiten mit ihren Früchten laben. Auch hier bleibt dasWort Jesu bewährt: was der Mensch säet, das wird er ärnten.
Der Greis muß jedoch erwarten, daß früh oder spät vieleseiner alten Bekannten und Freunde vor ihm aus der Weltgehen. Neue Geschlechter blühen um ihn auf, denen er nurhalb angehört. Er muß befürchten, zwar nicht ganz verlassen,aber doch ziemlich einsam zu stehen, wenn er stch nicht auchnoch den Späterkommenden liebenswürdig zu machen, und ihreFreundschaft zu gewinnen weiß. Dies kann er allein durch seineTugenden; sie erwecken Ehrfurcht, Zutraulichkeit. Er kann csdurch eine immer gleiche, heitere Stimmung.; sie erweckt Be-wunderung und Theilnahme; Niemand wird sein, der ihm nichteinst ähnlich zu sein wünscht. Er kann es durch Nachsicht gegendie Fehler der Jugend, die vor mürrischem Wesen flieht; durchrichtige Beurtheilung der Menschen und Zeiten, durch freund-liche Geselligkeit, wozu ihm viele Erfahrungen selbst den Rangüber die Jugend geben. — Doch das-Alles genügt noch nichtzum Glück des hohen Alters. Wir müssen in demselben uns auchselbst genug sein können. Glaube nicht, wenn du großes Ver-mögen gesammelt hast, es werde dir ein zufriedenes Dasein,einen angenehmen, behaglichen Zustand erkaufen; nein, es bringtdir, hast du keinen andern Werth, nur lüsterne, ungeduldigeErben, die deinen Tod kaum erwarten mögen, um sich mit dem,was du hinterlassen wirst, gütlich zu thun, oder aus Verlegen-heiten zu ziehen.
Sammle dir in der Zeit, da du noch die Kraftdazu.hast, Schätze des Geistes, durch welche du imhöhern Alter auch Andern noch nützlich sein, und dein Lebenwcrthvoll machen, so wie dir selbst genug sein kannst, wenndich Altersschwäche zur Führung eines einsamen, stillen Lebensgeneigt machen. Vermehre deine Kenntnisse mit unausgesetztemFleiße, sowohl durch eigenes Nachdenken, als durch Umgang-nu't cinstchtvollen Personen, oder durch die Lesung belehrender,gründlicher Schriften. Ein wohlbeschäftigter Geist ist nie einsam»