261
28.
Die Kunst, ein sirohes Alter zu erreichen.
Zweite Abtheilung.
Gpr. Gal. 3, 13. IS. 17.
Nur wer schuldlos ist und gut,
Der hat Muth,
Bebt nicht gleich vor jedem Wetter,
- Weiß, Gott ist zuletzt sein Retter.
Nur der Gott ergebne SinnBringt Gewinn:
ES gewährt die treue TugendGelbst dem Greise Lust der Jugend.
vermögen sammeln und dann seine Gesundheit pflegen, umjenes recht lange genießen zu können: das scheint dem Menschen,wie er gewöhnlich ist, das Allerwichtigste und Allerschwerste.
Es ist aber weder das Wichtigste noch das Schwerste. DurchFleiß und Sparsamkeit kann man endlich seine Glücksumständewohl verbessern; Genügsamkeit ist mit Wenigem zufrieden.Einige Aufmerksamkeit auf uns selbst bewahrt unsere Gesundheit.Und dennoch sichert uns dies Alles weder ein hohes Alter, nochGlückseligkeit in demselben zu. Denn es sind feinere Gifte vor-handen — wir empfangen sie weder durch Nahrung nochAthen: — welche unmerklich und frühzeitig die Lebenskräfte derGesundesten verzehren, daß alle Pflege vergebens ist. Auchgibt der größte Reichthum keine Bürgschaft für frohe Tageim hohen Lebensalter, wenn wir selbst in dasselbe die größtenHindernisse der Glückseligkeit hineintragen. Jene Gifte, dieseHindernisse zu vermeiden, das ist das Wichtigste, aber auch dasSchwerste.
Zu jenen feinen Giften gehören aber die allzulebhaften Ge-fühle und Begierden, gehören alle Arten der Leidenschaft, welcheunser Gemüth beherrschen, und deren Nichtbefriedigung Unruheverursacht. Darum sagt die heilige Schrift: Nur ein frohesHerz macht das Leben vergnügt; aber ein betrübter Muth ver-trocknet die Gebeine. (Spr. Sal. 17,22.)