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1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
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Wer nach einer langen und genußvollen Lebensdauer strebt,muß sich suchen in einer anhaltenden Gleichmäßigkeit zu behaup-ten, und Allem sorgfältig ausweichen, was seine Empfindungenzu heftig angreift. Nichts verzehrt die Kraft des Lebens schneller,als die Heftigkeit der Gemüthsbewegungcn. Wir wissen, daßKummer und Sorge den gesundesten Körper zerstören können,daß Schrecken und Furcht, ja sogar das Uebermaß der Freude,tödtlich werden. Personen, die von Natur kaltblütig und ruhigerDenkart sind, auf die nichts einen gar zu mächtigen Eindruckmacht, die sich weder sehr betrüben noch sehr freuen mögen,haben die meisten Anlagen, lange in ihrer Art glücklich zu leben.

Bewahre daher unter allen Umständen eine Ge-lassenheit des Gemüths, welche durch kein Glückund kein Unglück allzusehr erschüttert werden kann.Liebe nichts zu heftig, Haffe nichts zu stark, fürchte nichts zuviel. Denn zuletzt ist doch Alles, das Gute wie das Böse, wasdir widerfahren mag, weder der unmäßigen Liebe, noch desunmäßigen Hasses werth, und du hast schon bei vielen Anlässen,obgleich freilich oft zu spät, eingesehen, daß du auf die Dinge,welche dich so heftig entzückten oder schmerzten, einen viel zuhohen Preis gelegt hattest.

Es ist aber freilich schwer, sich immerdar gleich zu bleiben,es möge auch geschehen, was Da wolle. Wer nicht schon vonNatur eine gewisse Trägheit des Gefühls, eine Kaltblütigkeitempfangen hat, die ihn gegen die Gewalt der Leidenschaftenschirmt, wird Mühe haben, was ihm fehlt, zu ersetzen. Allein esist nicht unmöglich. Der Wille des Geistes vermag außerordent-lich viel über den Körper und über alle Bewegungen der Seele.Ein entschlossener, beharrlicher Wille, sich durch nichts allzusehrHinreißen zu lassen, und bei allen erfreulichen oder widerlichen^Vorfällen eine möglichst ruhige, gemäßigte Stimmung beizubehal-ten, kann endlich unser Inneres gleichsam so verwandeln, daßdas, was anfangs Sache der Uebcrlegung war, zur zweiten Naturwird. Und ein so reizendes Ziel, als das hohe und beglückte Alterist, verdient allerdings doch, daß wir keine Anstrengungen scheuen,so schwierig sie uns anfangs auch Vorkommen mögen.

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