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1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
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Halste aller Gebornen schon vor dem zehnten Jahre stirbt; daßvon der übriggebliebenen Hälfte ein Drittheil schon vor demdreißigsten, der andere Drittheil schon vor dem fünfzigsten Jahredahin ist, und von hundert Personen selten zehn, meistens nursechs, das sechzigste Jahr überleben.

Aber ist denn ein hohes Alter an sich schon in der That einso wünschenswerthes Gut, daß wir dassellw sehnsüchtig begehrensollten? Ich glaube es kaum. Sehet doch im Allgemeinen diehochbetagtcn Leute, wie sie mit den Gebrechlichkeiten des Greisen-thumö zu kämpfen haben; wie sie oft Andern und sich selbstzur Last sind! Ihre Sinneswerkzeuge werden abgestumpft undtodt für die Reize der Welt. Worin kann ihre Freude bestehen?Sie denken nur noch gern an das Vergnügen ihrer Jugendzeit.Davon reden sie gern. Unzufrieden sind sie mit der heutigenZeit: sie meinen gern, cs sei vor Zeiten Alles besser gewesen.Und doch hat sich in der Wirklichkeit wohl das Gute nicht so sehnvermindert, als die Empfänglichkeit der bejahrten Personendafür. Sie sind düster, mürrisch, tadelnd, mit Allen: ver-drießlich. Freilich gibt es auch Ausnahmen; jedoch selten. Wofinden wir häufig hochbetagte Personen, welche ihre jugendlicheWärme für alles Gute und Schöne, ihre Güte der Gesinnungengegen das, was sie umgibt, ihre Nachsicht mit Fehlern desZeitalters, genug, jene Liebenswürdigkeit bewahrt hätten, diean Greisen so sehr entzückt? Die Seltenheit solcher Per-sonen ist aber weniger ein Werk der Natur, als der Selbst-vernachlässigung der Menschen. Sie strebten zwar nach einemhohen Alter, aber versäumten dabei, an ein beglücktes Alter zudenken, und solches vorzubcreiten. Und doch ist ein sehr langesLeben nur dann wünschenswürdig, wenn es zugleich ein heiteres,glückliches ist.

Die Kunst, sich ein heiteres Alter, einen Lebens-abend voll stiller Glückseligkeit zu bereiten, istweit weniger gekannt und geübt, als die Kunst dasLeben zu verlängern. Wir sehen noch der Männer undFrauen von sechszig, siebenzig und achtzig Jahren genug. Bei-spiele von hundert- und hundertzehnjährigen Greisen sind nicht