ward bald als ein besonders heiliger Stand geachtet; und er wares, so lange dazu ein heiliges Gemüth begeisterte.
Nach wenigen Jahrhunderten schon waren die christlichenLänder mit Einstedlerzellen und Klöstern bedeckt, und der Zweckder ersten Stiftungen ging nach und nach verloren. Hier sahman Pracht, Wohlstand und sorgenloses Leben, wo man diefeierlichen Gelübde der Armuth und Enthaltsamkeit und Entsagungder Welt geschworen hatte. Hier wurden unter den Bewohnernder Zellen Feindschaften, Ungerechtigkeiten, oft Grausamkeitengeübt; oder man verbitterte sich das Leben mit gehässigen kleinenQuälereien, wo man einen immerwährenden Frieden, so wieBruder - und Schwesterliebe der ersten Christenheit, wieder zufinden hoffte.
Besonders unglücklich wurden oft in diesen von der Weltentfernten Mauern die Mitglieder des weiblichen Geschlechts.Sic waren nur zu oft die traurigen Opfer des Geldgeizes ihrerVerwandten, oder durch Haß und Mißgunst dahin verstoßen.Sie waren nur zu oft verleitet oder gezwungen, das unzerbrech-liche Gelübde in einem Alter abzulegen, in welchem sie wedervom Welt- noch Klosterleben richtige Vorstellungen haben konn-ten, und ihr Verstand nicht reif genug war, die Wichtigkeit desSchrittes zu beurtheilen, der sich nie wieder zurück thun ließ. —Viel zu spät erwachte in ihnen dann die Reue, wenn Naturund Erfahrung sie belehrten, daß sie zur Entsagung desFamilienglücks nicht geschaffen seien; wenn Natur und Erfahrungsie belehrten, daß sie aus Umnuth wegen unangenehmer Lagenim bürgerlichen Leben, oder aus allzurcizbarcn, schwärmerischenGefühlen und Einbildungen einen zu voreiligen Entschluß gefaßthatten. Dann war hinter den eisernen Gittern die Klage ver-gebens ; hinter den hohen Mauern wurden die Seufzer vonNiemandem vernommen. Ihr Leben verblühte freudenlos —es war nicht Gott, nicht der Tilgend, sondern fremder Gewalt,fremdem.Eigennutze, oder eigener Ucbcreilung und Schwäche,hingcopfert.
Auch dieses Unglück hat die Weisheit unserer guten Landes-fürstcn gemindert. Tausend edle Jungfrauen werden dadurch