weniger in kränkelnden Kindern laut wird, und die Gattin heim-liche Verachtung gegen ihn in ihrer Brust empfinden muß.
Hinweg aber den Blick von den Scheusalen der bürgerlichenGesellschaftSoll ich die meiner Andacht geweihten Augenblickedurch ihr Andenken besudeln? Lieber werfe ich den Blick aufjene unglücklichen Ehelosen, welche nicht durch eigene Schulddie Freuden des häuslichen Lebens entbehren müssen. — EifereNiemand gegen sie; eifert gegen die Ueppigkeit der Sitten,gegen den herrschenden Prachtaufwand, der ihnen bei mäßigenEinkünften unmöglich machte, ein redliches Weib zu ernähren.Ungerecht ist euer Tadel; ach, vielleicht nicht ohne langen Kum-mer entsagten sie ihren schönsten Wünschen und Hoffnungen,um nicht durch allzuleichtsinnigcs Schließen der Ehe ein bravesWeib zur Mutter brodloser Kinder zu machen. Grausam ist-euer Spott! Ach, wisset ihr, ob das Entsagen des Ehestandesnicht eine Folge ihrer tugendhaftesten Stunden war? Leicht istes wohl, den, welchen wir Hagestolz nennen, zum Gelächtereiner albernen Menge auszustellen, die nichts prüft, und dieden schimmernden Einfall schon für den wahren halt. Aber hütedich; dein Spott frevelt vielleicht am Heiligthum eines Gemüths,welches ehrwürdiger ist, als das deinige, oder reißt die Wundeneines Herzens auf, welches , statt unartigen Spottes, zarterSchonung und freundlichen Trostes bedarf. Kennst du dieBeweggründe, welche auch den Biedermann bewegen können,sich selbst zur Ehelosigkeit zu verdammen? Vielleicht stimmte ihnFurcht vor der Unbill stürmischer Zeiten dazu, oder Besorgnißvor den ewigen Umwälzungen der bürgerlichen Verhältnisse,unter deren Zerrüttungen noch heute zahlreiche Familien inDürftigkeit hinschmachten. Vielleicht trat er mit edler und hoherBesonnenheit zurück, weil ihn das Gefühl seiner Kränklichkeitwarnte. Vielleicht brachte er sein eigenes Glück dem Friedenund Glücke seiner hilfsbedürftigen Aeltern zum Opfer dar, odereinem andern rühmlichen Zweck; oder ihm trübte eine lange-Armuth die Tage seiner Jugend, oder eine treulose unglücklicheLiebe c-.triß ihm für immer Muth und Hoffnung eines durchLiebe beseligten Lebens. Wer kennt die Verhängnisse, welche