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Heute noch ist das ehelose Leben nicht ungewöhnlich. Aberganz andere Ursachen tragen dazu bei; Ursachen, welche nichtsowohl aus dem Eifer für Religion, sondern aus dem Verfallder Religiosität hervorgehen; Ursachen, welche die häuslicheGlückseligkeit zahlloser Familien stören. Daher sind sie aller-dings dem Christen und Weisen wichtig genug, auf sie, auf dieQuellen mannigfaltigen Verderbens, hinzublicken.
Auch noch heutiges Tages werden Jünglinge und Mädchender ehelosen Einsamkeit in Klöstern gewidmet; aber nicht so-wohl aus jener übertriebenen Begierde, durch solche Opfer demHimmel gefälliger zu werden, als vielmehr, und nur allzuoft,um den Söhnen und Töchtern, welche kein reichliches Erbe zuhoffen haben, ein anständiges Unterkommen zu verschaffen. Welcheine Entweihung der Kirche! welch ein Mißbrauch der Religion,die man benutzt, die Lücken der Haushaltung auszufüllen!
Darum haben weise Fürsten, um diesem Mißbrauch zusteuern, und manches unglückliche, jugendliche Schlachtopferdes Geld- und Ehrgeizes zu retten, mit Recht und Pflicht dieübermäßige Zahl der Klöster vermindert.
Noch ein anderer Mißbrauch des Religionseifers findet inunfern Tagen in verschiedenen Ländern statt, welcher oft schondie traurigsten Wirkungen erzeugte. Es ist dies das den LehrenJesu und seiner Apostel zuwiderlaufende Verbieten der Ehenzwischen Personen von verschiedenen Glaubens-bekenntnissen. Welch eine ungeheure Macht des grausamstenVorurthcils, um der Religion Jesu willen Herzen zu trennen,welche sich für einander geschaffen fühlen! Welch eine Unwissen-heit in den Wahrheiten des göttlichen Wortes noch in Tagen,da kein Dorf mehr ohne Lehrer ist!
Schon zur Zeit der Apostel trugen verschiedene ChristenBedenken wegen der Ehe, deren Glieder sich zu ungleicherReligion bekannten. Weniger anstößig war es, wenn einChrist eine Jüdin, oder ein Jude eine Christin heirathete; denndie meisten Christen waren vorher dem mosaischen Gesetze zu-gcthan gewesen. Aber gefährlicher schien cs dem Christen, eineHeidin zur Frau zu haben, oder der Christin, das Weib eines