das Herz des Gatten von sich'entfernen; oder gefallen sich, umHerrschaft zu beweisen oder die Kraft ihres Geistes zu zeigen,in allen Dingen entgegengesetzter Meinung zu sein, um ihreWünsche mit schonungsloser Lieblosigkeit zu vcrtheidigen. Dieseopfern einer nichtswürdigcn Thorheit das höchste Glück des Lebensauf, vergiften gleich Wahnsinnigen, vor deren Werk der besonneneMensch erschrickt, ihre Freuden, ihre Ruhe, ihr ganzes Leben,ihre Gesundheit.
Nur ein Mittel wider diese Seelcnkrankheit ist uns ver-liehen; es ist, was Du, o Jesus, göttlicher Weltlehrer gabst —Liebe! Nur Liebe erzeugt Hochachtung und stilles, gutmüthigeSVertrauen; nur Liebe duldet schonend die Fehler des Andern^und sucht die gelegensten Augenblicke, ihn freundlich von den-selben zu entwöhnen, ohne ihn vor sich selbst allzusehr, geschweigevor fremden Zeugen, herabzuwürdigen. Und wäre endlich auchdiese höhere Liebe für den Andern nicht in unserer Brust: somüßte Liebe für uns selbst, und daß der Ehestand so erträglich,so dornenlos als möglich würde, uns zu solchem weisen, vor-sichtigen , edelmüthigen Betragen hinleiten, — so müßte Liebefür uns selbst uns reizen, durch Wegwerfung unserer Fehler undSchwachheiten, durch Annahme neuer Tugenden die Hochachtungdes Gatten, Zufriedenheit mit uns selbst, heitern Genuß derLcbensstunden und Achtung von der Welt zu erwerben.
Liebe und Religion vergöttlichen den Bund der Ehe.Ach, die, welche hienieden das Loos des Lebens therlen, sie sinkeneinst mit den gleichen Hoffnungen in des Todes Arm. Sie sehender gleichen Ewigkeit entgegen; mit gleichen Empfindungen erhebensie ihr Gemüth zum Vater der Welt. Wo Dein Glaube, oJesusChristus, lebendig in den Herzen wohnt, da herrscht ungetrübteSeligkeit; da ist keine freudenlose Ehe möglich; da erbt txrfrommen Aeltern Liebe und Tugend auf beglückte Nachkommen