zuletzt Sache bleibender, in Natürlichkeit und Bedürfniß über-gehender Gewohnheit werden muß.
Liebe und Hochachtung können durch kein Gesetz erzwungen,sie müssen erworben werden. Willst du Hochachtung? so seihochachtungswürdig. Willst du Liebe? zeige dich liebenswürdig. —Der vertraute Umgang im ehelichen Leben, weit entfernt, zumancherlei Nachlässigkeiten des Betragens zu berechtigen, erfordertgrößere Behutsamkeit und zartere Schonung, als der Umgangmit Fremden. Denn diesen werden wir nicht so leicht alltäglichund gemein, als dem, mit welchem wir beständig beisammenwohnen. Oder hat derjenige, welchen wir selten sehen, höhereAnsprüche auf unsere freundschaftlichen Aufmerksamkeiten, aufunsere einnehmende Artigkeit, als die Person, welcher wir unsertägliches Lebensglück danken, indem wir das ihrige machen?Nie berechtigt der vertraute Umgang im ehelichen Leben zuanstößigen Redensarten, beleidigenden Grobheiten, Zurück-setzungen. Denn eben diese sind meistens die Quelle vieljährigcrLeiden. Unanständigkeiten, von einem Fremden empfangen,werden vergessen, wie man ihn aus den Augen verliert; aberdie Erinnerung an sie verliert sich in der Ehe nicht aus demGedächtnisse, wo man den beleidigenden Theil beendig nahehat, und diese Nähe und die übrigen Verhältnisse die Bitterkeitdes Verdrusses erhöhen.
Das Glück des Lebens ist gerettet, wo Gatten den unverbrüch-lichen Bund entgehen, niemals einander die äußerlichen Zeichender gegenseitigen Achtung zu versagen, und nie, auch bei einemvorfallendcn Zwist der Meinungen, weder im Scherz nochErnst Groll zu hegen oder zu heucheln, sondern, cs gescheheauch was da wolle, immer Liebe, immer Zutrauen für einanderzu bewahren. Selbst auch nur ein verstelltes Zürnen gegeneinander ist im ehelichen Leben, bei aller herrschenden Liebe,gefährlich und tadelhast. Man soll sich nicht scherzend angewisse Rauhheiten im Umgänge gewöhnen, die unfehlbarendlich in Ernst sich verwandeln, wenn es späterhin daraufankommt, irgend einen Wunsch, eine Ansicht durchzusetzen. Auchnur Mangel an Liebe und Hochachtung heucheln, ist Ver-