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1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
222
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erzwungen, ohne Rücksicht, ob auch die künftigen Gattengefällige Eigenschaften und Fchlerlosigkeit genug hatten, die weiteLebensreise freundlich und verträglich mit einander machen zukönnen. Die Verbindung geschah; der Familicnstolz hatte seineOpfer, die Gewinnsucht hatte ihr Ziel erreicht. Allein allesGold der Welt wiegt keinen Fehler auf, der uns am Andernunerträglich wird, und das Leben endlich zur Last macht; alleZufriedenheit stolzer Verwandten söhnt das leidende Herz mit demElende seiner Lage nicht aus, die nur mit öffentlicher Schandeoder mit dem Tode aufhörcn kann. Die gewonnenen Lebens-bequemlichkeitcn sind angenehm; aber bcneidenswürdig ist dochdas Glück des Armen, der vor dem Vermählungsaltar zwar keinGold, aber ein mit ihn: eng verbundenes liebendes Herz gewann.Was hilst'ö, wenn die Thränen des Schmerzes auf Gold undSeide niederfallcn? Sind sie darum milder? Was Hilsts, imWohlstände einen freudenlosen Sinn, eine unbeglückte Zukunftzu haben? Können Ansehen und Pracht die Wunde einesblutenden Herzens heilen?

Eine zwietrachtvolle Ehe ist das martervollste Verhältnis«des gesellschaftlichen Lebens; denn alle andere Verbindungen sindleicht zu lösen, aber die Bande der Ehe üie ohne Schwierigkeit.Sie verwandeln sich in eherne Ketten, die uns an unfern ewigenWidersacher festschlicßen, bis der Tod voll Erbarmens sie brechenwill. Mit jedem neuen Morgen begegnet dem Beklagenswürdigendie Furcht vor neuem Verdruß. Man weicht sich aus, um froherzu athmen, und trifft zusammen, um neue Kränkungen zu erfahren.Mit dem Frieden des Hauses ist der Segen entflohen. ZurTodesstunde des Einen lächelt das Auge des Andern.

Nicht immer liegt die Duelle dieses namenlosen Unglücks inder mißlungenen Wahl der Gatten. Oft verschlimmern sich dieDenkarten derselben in der Ehe selbst erst, und Fehler, die vorherkaum dem Keime nach vorhanden waren, entwickeln sich erst imvertrauten Beisammenleben.

Ost sind es weder Laster noch verbrecherische Neigungen,welche das Glück der Ehe stören, sondern zuweilen nur geringeFehler, anstößige Eigenthümlichkeiten, die das Auge eines Fremden