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1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
220
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für einander zu leben, unentbehrlicher; und das Dasein fröhlicherKinder, Zeugen ihrer Liebe, wird ein neues, mächtiges Band,welches die beglückten Aeltern fester aneinander schließt.

Wer schützt das schüchterne Weib kräftiger und entschlossener,als der Gatte, welcher für dasselbe im Sturme des Lebens handeltund erwirbt? Wer achtet und liebt es zärtlicher, wenn schon dieRosen der Jugend verblüht sind, als der treue Gatte, welcher irrder verblühten Gefährtin seiner Tage noch ihre sanften Tugendenund die ganze schöne Vergangenheit seines Lebens liebt?Wer lohnt dem Manne seine Mühen, seine Aufopferungen,seine vielfachen Beschwerlichkeiten angenehmer, als die vertrauteGattin, welche in ihm ihren einzigen und besten Freund, ihrenVersorger, ihren Schutzengel erblickt? Wer weiß ihn besser zutrösten, und mit sich selbst zufriedener zu machen, wenn er seineAnstrengungen nirgends belohnt und sich selbst von allen Andernverkannt sieht, als die Vertraute seines Herzens, die ihn ambesten beurtheilen kann? Für wen ordnet sie ihr Hauswesen,sinnt sie auf Anmuth und Schmuck, sorgt sie in der Einsamkeit;für wen sucht sie, sich selbst vergessend, neue Freuden zu erfinden,wenn es nicht für den Einzigen ist, dem sie ganz gehört, ohnewelchen sie selbst verlassen und freudenlos sein würde? Fürwen ringt der Mann nach Achtung, Ansehen und Vermögen,wenn er die Glücksgüter des Lebens nicht mit einer Seele thcilenkönnte, die ohne Neid sich seines Glückes freuet, wie ihreseigenen? Und wenn des Lebens Gebrechlichkeiten und Schwächencintreten: wer trägt sie mit größerer Geduld, als das treueHerz, welches mit uns des Lebens schönere Stunden einst thcilenkonnte? Wenn Krankheiten uns an das Schmerzenlager binden:wer sorgt mit treuerer Pflege, als die treue Hand, welche sich andie unsere für ewig festschloß? Bezahlte Miethlinge könnenuns Arzneien reichen, aber ihrem Blicke fehlt die mitleidige, umunsere leisesten Wünsche forschende Liebe. Fremdlinge könnenbei unfern Leiden trauern, aber sie verlieren bei uns nicht, wieein Gatte oder eine Gattin, die Hälfte ihres eigenen Lebens. Sieempfinden nur den fremden Schmerz, aber nicht den ihrigen; siebeklagen unser Leiden, aber sie leiden es nicht selbst.