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1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
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die Obrigkeiten eifriger und mit zärtlicherer Wirksamkeit, alsfür Waisen? Selbst für die ärmste wird eine tröstliche Sorg-falt gehegt. Sie erhalten eine Erziehung, oft besser, als vielleichtdiejenige gewesen wäre, die sie von ihren eigenen Aeltern genossenhaben würden. Um ihre Versorgung bekümmert sich Obrigkeitund Gesetz am längsten.

Oft sind aber die Verwaiseten dann am schlimmsten bedacht,wenn sic nach dem Tode ihrer guten Aeltern einen Stiefvater odereine Stiefmutter erhalten. In allen Sprachen drückt dies Wortschon einen traurigen, oft verhaßten Begriff aus. Es ist so weitgekommen, daß der Name einer Stiefmutter zum Sprich-wort geworden ist in allein Volk, um die empörendste Lieblosig-keit, die verabscheuungswürdigsten Gesinnungen gegen eine Waiseauszudrücken. Und wer in dein Verhältnis eines Stiefvaterscder einer Stiefmutter steht, prüfe sich doch selbst, ob er ver-diene , in der Reihe der Verachtungswerthen zu stehen.

Das Weib, empsindlicher, reizbarer und mit der Erziehungder Kinder unmittelbarer beschäftigt, als der Mann, ist gewöhnlich,wenn ohnehin dein Herzen religiöser Sinn und edles Gefühlmangelt, eine bösere Stiefmutter, als der Gatte jemals ein böserStiefvater der Waisen sein kann. Daher mag es gekommensein, daß stiefmütterlicher Haß zum Sprichwort in der Welt wer-den konnte, weil er der quälendste und hartnäckigste zugleich ist.

Aber woher entsteht auch dieses furchtbare und allgemeinverachtete Laster? Woher die Kälte und Lieblosigkeit mancher,ich möchte nicht sagen vieler, Stiefältern gegen ihre Stiefkinder?

Die Ursachen lassen sich leicht erklären. Man beobachte nurdie Haushaltungen, in welchen dieses Uebel ankeimt oder reifet.

Meistens ist daran die erste, natürliche Vorliebe für dieeigenen Kinder Schuld. Wohl ist es eine natürliche Vor-liebe zu nennen, weil doch die Hand der Natur Aeltern mit ihreneigenen Kindern am engsten zusammenschloß. Man wird oftbemerken, daß ein Vater oder eine Mutter gegen ihre unerzogenenStiefkinder so lange die edelste, herzlichste Zärtlichkeit beweisen,als sie ohne eigene Kinder sind. Man wird den Vater als Bei-spiel rühmen, der sein Stiefkind mit einer Sorgfalt pflegt, als

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