Verbindung hinopfern; aber Verantwortung vor dem richtendenGott erwartet auch die, welche unbesonnen die Thorheiten einesleicht entflammten jugendlichen Herzens billigen, und da nicht,sei es aus Schwäche oder andern Grünoen, ein Unglück ver-hindern, welches bei einiger Menschenkenntniß vorausgesehenwerden kann.
Die weise Wahl des Gatten oder der Gattin also ist's, vonwelcher nachmals der Friede und die Freude eines ganzen Lebens-laufes abhängen! — Und mit welchem Leichtsinn tändeln so vieleSterbliche über den entscheidendsten Schritt für ihre Zukunfthin! Wie viele tausend heiße Thränen der Reue würden, beihöhcrm Ernst in solcher Wahl, weniger vergossen sein! Wiemancher endlose Kummer, wie mancher täglich erneuerte Schmerz,wie mancher geheime, die blühendste Gesundheit zerstörende Gram,mie mancher entsetzliche Entschluß der Verzweiflung wäre ver-mieden worden!
Blicken wir nur um uns her; wie selten sind im Allgemeinendie wahrhaft glücklichen Ehen, von denen man sagen darf:sie sind ein irdischer Himmel, und die Bencidenswürdigen inihnen sind durch ihre gegenseitige unveränderliche Liebe undTreue über jedes Schicksal erhaben, das sie treffen kann; siekönnten die Welt und ihre Freuden entbehren, sie würdenreich und glücklich durch sich selbst sein! — Wie zahlreich sinddie Ehen, in welchen gegenseitige Gleichgültigkeit und Ueberdrußherrschen; wo selten ein Tag ohne häuslichen Verdruß, seltenein Tag ohne Sehnsucht nach einem bessern Loose verstreicht;wo die Zwietracht der Aeltern den Kindern das Herz ver-wundet, oder sie zu Nachahmung des gottlosen Beispiels reizt!
Und wessen Schuld ist dieses weitverbreitete Uebel? Warumsind so wenige Menschen da am glücklichsten, wo sie es am erstensein sollten, im Innern ihres häuslichen Lebens? Warum nagtam Wohlsein so vieler Familien ein geheimer Wurm, den sienur verbergen, weil sie ihn nicht entfernen können, und mitdem verborgenen Elend nicht auch zugleich die öffentliche Schandetragen mögen?