ersetzt ihre Stelle, wenn sie sich endlich überzeugt, ein falsches Zielerreicht zu haben. Die Vollkommenheiten des Geliebten fesseltenunsere Aufmerksamkeit zuerst; aber seine Fehler empfinden wirerst dann schmerzlich, wenn wir mit ihm in engen, unauflös-lichen Verhältnissen stehen müssen.
Das Urtheil der Leidenschaft ist jedesmal ein Urtheil deSLeichtsinns, und eben deswegen tadelnswürdig, weil es mit demGlück und der Heiterkeit unsers ganzen künftigen Lebens verwegentändelt. Wer sein lebenslängliches Wohl und Weh gründen will,höre auf, in dem Augenblick zu scherzen, der seinen höchstenErnst, seine angestrengteste Vorsicht auffordcrt. Er mäßige dieungestüme Gewalt der Leidenschaft durch — die Zeit. Er schließekeinen Bund, ohne den, welchem er seine ganze irdische Seligkeithingibt, kennen gelernt zu haben. Er gewöhne sich, scharfsichtigergegen dessen üble Eigenschaften , als gegen Vollkommenheiten zusein. Denn nicht diese gründen so sehr das Glück der Ehe, alses jene zerstören werden/ Derjenige aber hat am weisestengewählt, welcher seine Hand zum ewigen Bunde nur solchemdarreicht, von welchem er überzeugt sein kann, daß auch jedeanderePerson mit demselben und durch denselbennicht unglücklich sein könne.
Oester aber noch, als der Leichtsinn der Leidenschaftenjugendlicher Personen, stiften außerordentliche Nebenrücksichtender Aeltcrn und Verwandten, welche über eine eheliche Verbindungzu verfügen haben, das Unglück der Ehen, das lebenslänglicheTrübsal zweier Menschen, die in jeder andern Verbindung zu denfrohesten und glücklichsten Sterblichen hätten gezählt werden können.
Und aus welchen unlautern Absichten werden nicht oft Per-sonell zur ehelichen Verbindung gezwungen, die einander vielleichtnur wenig oder gar nicht kannten, die einander entweder mittodter Gleichgültigkeit oder Widerwillen betrachteten!
Gewöhnlich ist es darum zu thun, einem Kinde nur eineanständige Versorgung zu verschaffen, daß cs in der gewohntenArt, in den gewöhnlichen Verhältnissen und Bequemlichkeitenfortleben könne. Ob aber auch die Gemüthsart, die Zuneigungder für einander Bestimmten so beschaffen sei, daß nicht nur