Druckschrift 
1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
198
Einzelbild herunterladen
 

der Liebe knüpfte, die ersten Jahre der Ehe nicht so rein-glücklichsind, als die nachfolgenden, wo man die gegenseitigen Gemüths-arten einander mehr anpaßte, oder, wie man zu sagen pflegt,sich einander besser verstehen lernte.

Doch welcher Widerspruch, welcher Zwist sich auch jemalserheben möchte: alle daraus erw.-.chsende Gefal-r wird im erstenKeim vernichtet, wenn Neuverehlichte sich das unverbrüch-liche Wort geben, nie einander böse zu werden, uuch nichtverstellter Weise zu zürnen! Besser ist es, ein Un-recht dulden, als begehen, oder ihm schwerere Folgen zu geben,als cs verdient. Kleine Zänkereien, leichte, doch ungefälligeNeckereien mindern endlich immer das gegenseitige Zutrauen,erkalten unmerklich die vorhandene Liebe, und ziehen nochgrößere Entzweiungen nach sich. Quälereien, Vorhalten einesbegangenen Fehlers, eines begangenen Unrechts, und wenn auchnur scherzweise, setzen mit der Zeit eine Bitterkeit an, diegewöhnlich schwer wieder auszutilgcn ist.

Wo zwei Menschen sich für Lebenszeit einander zugeschwvrenhaben, darf kein Eigensinn, kein Zwist, keine Herrschsucht stattfinden; nur Einheit des Sinnes, Einheit des Willens,NachgiebigkeitvonbeidenSeiten! Der Mann herrschtdurch Ucberzeugung und Vernunftstärke; sein Herrschen ist nichttrotziges Gebot, sondern unmcrkliches Leiten des schwächernWeibes zu dem, was recht, gut und nützlich ist. Das Weibherrscht durch Liebe und Achtung, die es dein Gatten für sichcinflößt. Ihr Herrschen sei nicht kindischer Eigenwille, dersich behaupten möchte, sondern sanftes Umlenken des Mannesdurch Güte, wo er irren könnte.

Um der Gcmüthseinheit im ehelichen Leben die höchste Voll-kommenheit zu geben, sei der Neuvermählten unverbrüchlicherGrundsatz,nie vor einander in ihren Angelegenheitenein Geheimnis zu haben. Das Weib wisse, was in desMannes Brust vorgeht; der Mann sehe klar durch die Gedankenund Empfindungen der Gattin, wie durch seine eigenen. Solebt Eins im Andern. So werden zwei Seelen eine Seele.So wird die Ehe das heilige Geisterband, das kein Schicksal,