Druckschrift 
1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
168
Einzelbild herunterladen
 

168

und seine Heimath der Mittelpunkt seiner Welt. Auf diesebezieht er Alles, was er thut. Daraus läßt sich erklären, warumhäusliche Freude den schönsten Reiz für gefühlvolle, unverdorbeneMenschen hat. Wer sic nicht kennt, ist nur halb froh.

Ein Aufwand, welchen wir für Vergnügen machen, kanndaher kaum weiser verwendet werden, als zur Vermehrunghäuslicher Glückseligkeit. Es zeigt von roher oder verbildeterDenkart, wenn Hausväter einen Theil ihres Erwerbs für Lust-barkeiten außer dem Hause verschwenden; wenn Hausmütter ihrekostspieligen Erholungen am liebsten in fremden Gesellschaftenaufsuchen, während die Ihrigen daheim, wie verwaiset, sichdürftig zu erheitern suchen, so gut sie können. Da erkaltet diezärtliche Freundschaft zwischen Gatten und Aeltern und Kindern,wo der Eine gar nicht des Andern bedarf, um innig froh zusein. Den liebt man nicht, mit dem man nicht am öftersten undliebsten stille Freuden theilen mag. Erst da ist ein Glück voll-kommen, wo die Lust daran uns aus den Augen theilnehmenderFreundschaft entgegenstrahlt.

Es ist Pflicht de.s Christen, mit warmer Sorg-falt die Flamme häuslicher Freude zu nähren, daßsie niemals, auch in den Tagen der Trübsal nicht, ganz erlösche.Wo sie die Herzen erwärmt, ist geselligere Eintracht und treuereFreundschaft. Wo sie leuchtet, kennt Jeder seine Pflicht besser,vollbringt Jeder sein Tagewerk muthigcr und vollkommener.Frohe Seelen sind von Natur aufgelegter zur Tugend undMenschenliebe: die Mißvergnügten aber haben etwas zu bereuen,das nicht recht ist, oder finden Gefallen daran, auch Andereverdrießlich zu machen.

Darum mahnten Jesus und seine Jünger immerdar zurHeiterkeit an: Freuet euch mit den Freudigen; seid allezeitfröhlich! Darum rechnete es sich der Messias zur Pflicht, aufder Hochzeit zu Kana den mangelnden Wein zu ersetzen, damitder festliche Tag seiner Freunde nicht gestört werde. Wie er,' der göttliche Weise, sollen auch wir, die wir uns seine Nach-folger nennen, uns nicht der Freude entziehen. Wie die Gott-heit alle Welten beseligt, so sollen wir mit unftrn beschränkten