169
Kräften gottähnlichc Freude im engen Kreise derjenigen ausbreiten,die uns am nächsten stehen.
Wir sollen es sogar nicht dem Zufall überlassen, ob er unseinen Anlaß des Vergnügens herbeisühren werde; sondern daranerkennen wir die Weisheit und Herzcnsgüte des Freudengebers,daß er besorgt ist, fwr alle Zeiten Stoff zum Ver-gnügen zu erfinden, und die Gemüther seiner Lieben ineiner beständig heitern Stimmung zu erhalten.
Wie wenig bedarf es dazu! — Ein freundlicher Blick, einaufmuntcrndes Wort genügt ja schon. Es genügt ja schon derbloße Vorsatz, man wolle keine mürrische Miene im Hause dul-den. Wieviel hängt vom Betragen der Hausmutter, des Vatersund jedes Erwachsenen, ab, Alles, was gegeben wird, mit irgendeiner Annehmlichkeit zu würzen; für jeden folgenden Morgenetwas zu ersparen, das bis dahin die Hoffnung der Hausgenossenanmuthig beschäftigt! Die Freude ist wohlfeil; für gute Seelenquillt sie aus allen Kleinigkeiten hervor. Der Genügsamste istdaran am reichsten. Freuden, die mit großen Kosten erkauftwerden, erquicken selten; und wenn sie mit schwerem Golderkauft würden, sie haben in verdorbenen Gemüthern frostige' Aufnahme.
Willst du Freude in deinem Hauswesen einheimisch machen,so sorge zuvor, daß alle Gemüther Empfänglichkeit für sie haben.Empfänglichkeit wird da sein, wo Jeder den Andern ehrt undliebt, und Keiner in seiner Pflichterfüllung zurückbleibt. — Einreines Herz inacht schon natürlich frohen Sinn. Wer mit sichselbst nicht zufrieden ist, der flieht das stille Vergnügen. Er mußsich eine Luft erkaufen oder erkünsteln. Aber ach, erkünstelteFreude ist keine Lust, sondern nur —Zerstreuung; währendder Mund lacht, zürnt und trauert das Herz. Keinem istwohl dabei.
Pflichterfüllung, vollbrachte Arbeit, schon ge-leisteter Gehorsam, ist die erste, die reinste allerhäuslichen Freuden. Sie macht das Herz zu aller andernLebenslust offen. Aber freilich, nicht Jeder ist jeden Tag derselbe.Es werden auch Fehler beganaen. In der wohlgeordnetstenI- ' " 8