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1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
165
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nützlichen und schönen Thaten reich bemittelter Mitbürger oderDer weit gebietenden Fürsten allen Werth schon darum abzusprechen,weil sie bemittelter und mächtiger sind. Es ist unbillig, sogleich,wie es doch oft geschieht, wohlverdientes Lob, das man diesenzollt, für niedrige Schmeichelei zu halten. Nein, auch Ehre,dem Ehre gebührt! Der Christ preiset ohne Ansehen der Persondas Prcisenswerthe, und dem Weisen ist es würdiger, zehnmalin seinem Lobe, als einmal in seinem Tadel zu irren.

Zudem müssen wir nie vergessen, daß Wohlstand und Hoheitverführerischer zur Sinnlichkeit sind, als Unglück und Dürftig-keit. Nicht vergebens sagte Christus: Es ist leichter, daß einKameel durch ein Nadelöhr gehe, als daß ein Reicher in dasReich Gottes komme! Wer bei hohem Rang bescheiden, beigroßer Macht mäßig, bei allem Ueberfluß enthaltsam sein kann,verdient schon darum mit vollem Rechte unsere Ehrfurcht undAchtung, weil er, um zu seinen Tugenden zu gelangen, schwerereVersuchungen zu bestreiten hatte, als der in dunkler Niedrigkeitund Dürftigkeit Wohnende. Nein, die christliche Tugend imPurpurgcwand, im Palast und auf dem Thron ist mir nichtminder ehrwürdig, als die Tugend in der Hütte des Elendes,und oft erscheint sie mir selbst glänzender, weil sie seltener undschwerer zu erringen ist. Denn Unglück stärkt und erhebt dasGemüth, aber Ruhe und angenehme äußere Verhältnisse pflegeneher die Kraft zu lähmen, und Leichtsinn und Gleichgültigkeitgegen das Göttliche zu erzeugen.

Wer umrigt von den Reizen und Künsten der Wollust treuseine Unschuld bewahrt; wer im Besitz großen Wohlstandes einfachlebt, wie ein Armer, um desto reicher für die Dürftigen oderfür Mitbürgerschaft und Vaterland im Wohlthun zu sein; werim Gefühl großer Macht ohne Herrschsucht bleibt, und seineMacht nur anwendet, das Gerechte gegen ungerechte Gewalt,die wehrlose Unschuld gegen gewissenlosen Uebermuth zu schützen;wer, erhaben über Tausende, sich nur als ihren Verpfleget undsie Alle als seine Brüder ansieht, die er mit gleicher Liebe liebet,deren Rechte ihm heilig bleiben, wahrlich, der hat Christus-sinn, und ist der Achtung aller Tugendhaften würdig; denn