Druckschrift 
1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
162
Einzelbild herunterladen
 

162

und folge mir nach. Der ächte Nachfolger Jesu, indem er vonseinem irdischen Vermögen für eigenes Wohsein das Wenigstegebraucht, indem er seine eigenen Bedürfnisse einschränkt, umdesto mehr zu erübrigen, wodurch er Andern nützlich werdenkann, hat sein Gut folglich den Dürstigcrn geweiht. Erbehält die Mühe der Verwaltung, die ihm vom Schöpferangewiesene Stelle des Austheilers, und überläßt Andern denGenuß der Vortheile und des Segens. Er entsagt mäßiglind enthaltsam entbehrlichen Dingen, urtd lebt einfach wieJesus, thut wohl wie Jesus, er wandelt wie Jesus imGeiste und Zwecke Gottes. Er setzt keinen Werth auf seineVorzüge und Glücksgüter, sondern nur darein, wie er heutebesser als gestern vermittelst derselben Mcnschcnwohl ausbreitcnoder beleben könne. Er an sich ist arm mancher Bettlervielleicht schwelgerischer und weichlicher und träger; er ist nurreich für Andere. Er ist wahrhaft Herr seines Vermögens,während hundert Andere hingegen nur Sklaven ihres Reich-thums, von den Ketten der Ueppigkcit, Wollust, Prachtliebcund Eitelkeit gefesselt sind. Wir würden jedoch Unrecht thun,diejenigen wohlhabenden Personen eines Mangels an wahremChristenthum zu beschuldigen, welche einen ihrem Standegemäßen Aufwand machen. Der sinnliche Mensch freilich treibtauch Aufwand, aber aus Stolz und Begierde zum Wohlleben.Der Weise hingegen macht ihn, um damit seinem Rang,seinen bürgerlichen Verhältnissen den gebührenden Zoll zuentrichten. Denn, der große noch viel zu wenig gebildete Haufe,welcher den Menschen und sein Ansehen nur nach dem ihnumgebenden Glanz bcurtheilt, und selbst vor obrigkeitlichenPersonen, ohne äußerliche Auszeichnung, wenig Ehrfurchtempfinden würde, bedarf eines gewiss»^Eindrucks auf dieSinne, um ihm die nothwendige Achtung einzuflößen.

Daher möge immerhin jedem Stande die erforderliche Aus-zeichnung zugetheilt werden; ja, um der öffcmlichen Ordnungwillen ist sie pflichtmäßig, und der Christ bei aller persönlichenBescheidenheit muß sie wegen der wohlthätigen Zwecke handhaben.Eben dieser äußerliche, dem Weifen oft nur zu beschwerliche