hatte ihm Pilatus erlaubt, den Leichnam des Göttlichen zubeerdigen. So kam Joseph von Arimathia nebst seinen Dienern.Auch einer der vornehmsten und achtungswürdigsten unter denPharisäern, Nicodemus, trat hinzu. Seine Dienerschaft trug beihundert Pfund Myrrhen und Aloe. Die heiligen Gebeine wurdenmit diesen Spezereien in reine Linnentücher eingchüllt und herab-getragcn in Josephs Garten, wo sich dieser edle Mann ein Erb-begräbnis; in Felsen hatte hauen lassen, in welches noch Niemandgelegt war. Da folgten weinend Maria Magdalena und Mariadie Mutter Jacobi und Joseph dem Trauerzuge, und blicktenschüchtern in der Ferne auf die Ruhestätte des theuern Leibes.
Wo die Dürftigkeit der Jünger Jesu ohnmächtig zurückgetretenwar, glänzte jetzt die edle Anwendung des Neichthums und An-sehens von einem Joseph von Arimathia und einem Nicodemus.Wo oft in der gerechtesten und unschuldigsten Sache der Muthder Armuth schweigen muß, darf noch der Mann von Machtund Mitteln seine Stimme erheben. Was der römische Ober-befehlshaber des Landes den blutigen Thränen der Mutter Jesu,dem Jammer der liebenden Jünger versagt haben würde, gestatteteer achtungsvoll dem Wunsche eines Mitgliedes vom hohen RathcJerusalems. Die heiligen Schriftsteller haben wohl diese Begeben-heit nicht vergebens mit so vielen kleinen Nebenumständen fürdie Nachwelt ausgezeichnet. Weit entfernt, denjenigen zu ver-achten, der von Gott mit größerm Vermögen gesegnet wäre, »schienen sie das Andenken jener Männer besonders ehren zuwollen, welche sich durch Len weisen Gebrauch des Reichthumsauszeichneten, und ein Gegenstück zu der Erzählung von den:begüterten Jüngling aufzustellen, der den Herrn fragte, wasmuß ich thun, daß ich vollkommen werde? aber von seinen:Reichthum um Jesu willen nicht Massen wollte, sondern sichverlegen hinwegschlich. Wenn Jesus aber diesem Jüngling einstsagte, cr solle alle seine Güter verkaufen, und den Armen geben,war dies wohl nur eine Prüfung, aber nicht sein Sinn, daßJeder, welcher Erbe des Himmelreichs zu werden gedenke, sichseines Habes und Gutes zum Besten der Armen entschlagcn müsse.Denn was wäre gewonnen, wenn alle Reichen ihr Vermögen