leichter läßt er sich zu dem gräßlichen Jrrthum verleiten, unter-geordnete Menschen nur als Mittel zu behandeln, geschaffen,den Einfällen der Höhern zu dienen. Daß die Leibeigenschaftunter den Völkern vernichtet worden ist, war minder eine Wir-kung großmüthiger Entsagung der Reichen aus Pflichtgefühl undEhrfurcht vordem Heiligthume der Menschenrechte, als eineFrucht steigender Veredlung, Aufklärung und Kraft der Mitt-lern Stände, gewaltiger Schicksale oder einzelner tugendhafterFürstengesinnungen.
Lieben sollen wir, so fordert Jesus, unfern Nächsten, wieuns selbst; denn Jeder ist unser Miterschaffene'', unser Bruder,so wie Gott unser Aller Vater ist. Geneigter wird der Menschvon geringern Ständen schon dadurch zu dieser Liebe, daß esseiner Eigenliebe schmeichelt oder sein Selbstgefühl tröstet, zuwissen, wie Könige und Fürsten mit den niedrigsten ihrer Knechtevor Gott gleich sind, dem kein Ansehen der Person gilt. Inhöhern Ständen hingegen empört sich nicht selten die Gewohn-heit, den großen Haufen tiefer als sich im bürgerlichen Leben zuerblicken, gegen die Anerkennung einer Gleichheit in der Geister-welt, und wagt inan auch nicht immer, sie wegzuläugnen, schwächtdoch nicht selten ein leiser Stolz die Neigung des religiösen Bruder-sinnes. Man verzeiht sich mancherlei Nachlässigkeiten gegen Unter-gebene ; glaubt weniger zu sündigen, wenn man denen Unrechtthut, welche sich nicht vertheidigen können oder dürfen; findetMißhandlung geringer Personen aus Laune oder Muthwillenoder Bosheit nicht anstößig, oder hält dergleichen sogar seinerStellung für nicht unwürdig.
So in mancherlei andern Rücksichten erschweren Rang undReichthum die Vollziehung der Christenpflichten, welche, umschön geübt zu sein, in demuthvoller Anspruchlosigkeit geübtsein müssen. Darum erkenne ich die Wahrheit des Wortes Jesudurch zahllose Erfahrungen bestätigt: Es ist einem Reichenschwer, in das Reich Gottes einzugehen. Darum,o Vater, Alles mit unendlicher Weisheit und Liebe leitenderVater im Himmel, will auch ich nicht um Reichthum zu Dirflehen, sondern nur um Weisheit! Und um Weisheit flehe ich,