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1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
153
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durch die Wirkung des Luxus und des Reichthumö versinken zusehen, welche sich durch ernste Tugenden hoch erhoben haben.

Lebensbequemlichkeiten machen bequem; aber Bequemlichkeitentspannt die inwohnendc Stärke. Sinnenreize, deren der Wohl-habendere sich anhaltend bis zur Gewohnheit gewährt, machensinnlicher; sinnliches Wesen vernichtet aber den Aufschwung devGeistes. Daher klebt der Reiche am Irdischen, weil ihm derMuth zum Göttlichen schwerer als jedein Andern wird. Ihnziehen die Fesseln mannigfaltiger Vergnügungen immer zumStaube nieder; für ihn verliert das Dasein allen Werth, wennes ohne Mittel dasteht, ihn gemächlich über die Menge empor-zi'halten; für ihn verliert das Leben seine Bedeutung, wenn csihm nicht das gibt, was man in seiner Weltgegend oder auch nurbei seinem Volke Ehre zu nennen pflegt. So schon von zarterKindheit auf inniger mit Allem, was der niedrigen Sinnlichkeitschmeichelt, vertraut und vermählt, fällt es ihm endlich schwerer,diesem Allen zu entsagen, um die Aufgaben zu vollbringen,welche ihm Gott und die Religion machten. Den Minderbemittel-ten , den Dürftigen hebt das Ungemach des Lebens schon selb^kAber das Irdische zum Bessern empor, und so erkenne ich auchhierin die wohlthätig und weise ordnende Hand Gottes, welchenur wenigen Menschen Ueberfluß und ungestörtes Wohlleben,den Meisten aber Mühe und Kampf gab.

Ein jeglicher Stand hat seine ihm eigenthümlichen Vor-nrtheile. Die gefährlichsten für die Sittlichkeit aber herrschen inden höhern Ständen, wo nur zu oft der Unterschied desRanges in der bürgerlichen Gesellschaft das reineGefühl allgemeiner Menschenliebe tödtet. So wiedie untern Stände Viele über sich sehen, denen sie Ehrfurchterzeigen müssen, erblicken die höhern Stände Viele unter sich,gegen die sie mehr oder weniger Geringschätzung empfinden^Ehrfurcht aber macht geneigter zur Liebe, Geringschätzung abergeneigter zur Selbstvergötterung und Verachtung der Menschenund ihres angebornen Werthes. Auch der Niedrigste ehrt denNebenmenschen als ein um sein selbst willen und nicht für fremdeZwecke vorhandene Wesens; aber je hoher der Reiche steht, je