bei einzelnen Familien statt. Aus ihnen gehen kranke Bettler oderRäuber hervor.
Aber auch diejenigen Völker sind nicht weniger arm, die ankünstliche Bedürfnisse gewöhnt sind, daß sic unaufhörlicharbeiten müssen, um die große Menge derselben zu stillen, alsodaß ihnen für den edlern, besser? Genuß des Lebens kaum Zeit 'und Sinn übrig bleibt. In diesem Falle befinden sich heutigesTages viele Nationen unsers Welttheils, die reich sind an Ge-werk und Handel aller Art, Ackerbau und Viehzucht in Füllebetreiben, aber an solchen Aufwand, an so vielerlei Bedürfnissegewöhnt sind, daß das ganze Leben mit Arbeit verschwendet wer-den muß, um dieselben zu befriedigen. Sie sind durch dieungeheure Menge selbfterfundener Lebensnothwendigkcitcn arm.
Im gleichen Verhältniß steht jeder einzelne Mensch, der,wollte er sich nur mit den ersten Nothwendigkeiten begnügen,Uebersluß haben würde, aber weil er an feinere Kleider, bessereWohnung, köstlichere Nahrung, theurere Bclustigungsartcn ge-wöhnt, oder durch Vorurthcil gezwungen ist, mitzumachen,kaum durch die anhaltendste Arbeit die nothiaen Mittel dazuherbcischaffcn kann. Auch er ist wahrhaft arm. Er schleppt seinLeben in beständiger Dienstbarkeit und Sorge hin; sein Geistkann sich selten zum Bessern erheben.
So kann in reich genannten Städten tödtliche Armuthherrschen bei aller Fülle des Gewerbes, und der zur Unentbehr-lichkeit gewordene Aufwand so drückend werden, daß vieleMenschen, die bei mehr Genügsamkeit Uebersluß hätten, jetzt dochkaum wagen, in den Stand der heiligen Ehe zu treten, aus Furcht,Weib und Kind nicht ernähren zu können. So ist das Land-volk, welches sich fruchtbaren Bodens und reicher Acrnte? freut,bei aller seiner Wohlhabenheit an Mitteln arm, wenn es mitdiesen Mitteln nichts anzufangen weiß, als seine leiblichen Be-dürfnisse zu steigern, während cs, fern von bessern Unterrichts-anstalten, eines edlern Lebensgenusses unfähig ist. Wer möchtedas wohlgemästete Vieh an der Krippe preisen? Wer Obrig-keiten, die durch Verfügungen, statt das Höhere im Menschenzu ehren, es in Vergessenheit zu stürzen und die Bedürfnisse des