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1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
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Ob ein Volk reich sei, darauf kommt zu seiner Glückseligkeitwenig an, wohl aber darauf, ob es eben genug habe, ohne miteinem allzugroßen Aufwand von Zeit und Kräften seine dringend-sten Lebensbedürfnisse bestreiten zu müssen. Je mehr Sorge dasVolk wie der einzelne Mensch für die allerdringendsten und erstenErhaltunzsinittel seines Daseins verwenden muß, je wenigerfroher Genuß, je weniger Sorge für Gemüthsvercdlung kannstatt finden. Je mehr der Mensch genöthigt ist, die kurzen Stun-den seines Lebens dem zu widmen, was Kleider, Nahrung,Hütte und äußere Bequemlichkeit und Behaglichkeit fordern, desto'weniger lebt er für edlere Genüsse, für Geistesfreuden. MehrMittel zum Leben haben, als man gebrauchen kann, ist keinGlück, kein Vorzug. Ein Quell, der genugsam fließt, dientzum Löschen des Durstes so trefflich, als ein breiter Strom. Aberweniger haben, als nöthig ist, um zu leben, dies ist Unglück.Es ist Armuth.

Man hat Unrecht, den Armen deswegen zu beklagen, weiler auf Stroh schlafen, mit schlechter Kost sich sättigen, in Lumpengewickelt gehen muß. Denn es gibt Völker, wo der bei uns armGehaltene für beneidenswürdig reich geachtet werden würde. Aberdarin ist er zu beklagen, wenn, ihm auch dies Wenige zuweilenfehlt, folglich die Gesundheit seines Körpers verletztwerden muß; oder wenn er, um dies Wenige zu gewinnen, soanhaltend arbeiten muß, daß ihm keine Zeit zur Erholung seinesGeistes übrig bleibt, folglich die Gesundheit seines Geistesverwahrloset, und der Mensch zum dienstbaren, gedankenarmenThier, zur Maschine wird. In beiden Fällen wird der hoheZweck seines irdischen Daseins vernichtet. Aus diesem Gesichts-punkt muß man die Armuth sowohl ganzer Völker als einzelnerPersonen beurtheilen. Völker, die auf kargem, unfruchtbaremBoden kaum ihr Leben fristen können, und vom Morgen biszum Abend mit dem Aufsuchen ihrer ersten Nothwendigkeitenbeschäftigt sein müssen, sind wahrhaft arm. Ihr gedrücktes Lebenist ein thierisches Dasein; sie sind geistlos, träge, wie das aus-gehungerte Thier, oder wild und kriegslustig, wie das hungernde,noch seiner Kraft sich bewußte Raubthier. Derselbe Fall findet